Presseinformationen

Fragen und Antworten zum Bienensterben.

Eine Zusammenfassung.

1. Im Jahr 2008 wurde das massive Bienensterben einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Wie sieht die Lage heute aus? Gab es auch in den Jahren danach ein starkes Bienensterben?

Beim Thema Bienenvergiftungen muß unterschieden werden in letale Vergiftungen und subletale Vergiftungen. Im Jahre 2008 war in kurzer Zeit ein Großteil der Bienenvölker am Oberrhein letal vergiftet worden. In diesem Falle ist es natürlich so, daß dem betreuenden Imker die Schäden und die Zusammenhänge offensichtlich sind. Die Bienen liegen tot vor den Bienenbehausungen, kurz zuvor war Mais ausgesät worden.

Ein anderer Fall ist es, wenn die Vergiftungen subletal wirken - also nicht direkt tödlich, sondern langfristig belastend. Das führt zur körperlichen Schwächung und in vielen Fällen auch zum Tod der Bienen - allerdings zeitversetzt zur eigentlichen Kontamination. Das zu beobachten, beziehungsweise die Zusammenhänge zu sehen, ist sehr viel schwieriger.

Letale Vergiftungen in der Größenordnung, was Anzahl der toten Bienenvölker und die Größe der betroffenden Region betrifft, wie in 2008, hat es nicht mehr gegeben.

Subletale Vergiftungen gibt es weiterhin wie zuvor - in besorgnis-erregendem Maße. Nicht alle Imker stellen die Zusammenhänge her und (!) lassen die toten Bienen im Labor untersuchen. Hier finden Sie einige Untersuchungsergebnisse und deren räumlichen Zuordnung:
http://maps.yourgmap.com/v/c_17w_Bienenvergiftungen.html

Das sind nur Beispiele.

Die offiziell von Seiten der Politik, Imkerverbände und/oder Bieneninstituten genannten Zahlen zu Verlusten sind keine Zahlen, die für eine Einschätzung der Lage herangezogen werden können. Die Verluste sind sehr viel höher, was unter anderem darin zu sehen ist, daß der Import von Bienenvölkern, sogenannten “Kunstschwärmen” rasant gestiegen ist. Die Bienenvölker werden aus Südeuropa, Australien und Neuseeland nach Deutschland importiert, um die Verluste auszugleichen.
Warum die offiziellen Zahlen nicht stimmen, hat im Wesentlichen zwei Gründe. Der erste Grund ist, daß unter den Imkern die Auffassung herrscht, daß Verluste von der Dummheit des betreffenden Imkers herrühren. Vor allem was die Behandlung gegen die Varroa angeht, wird den Imkern mit Verlusten vorgeworfen, sie “hätten das nicht im Griff”. Diese Auffassung ist nicht aus dem Himmel gefallen, sondern meines Erachtens von den Vertretern der deutschen Bieneninstitute unter den Imkern gestreut worden. Die Politik schlägt in die gleiche Kerbe. In der Vergangenheit war es daher so, daß niemand sich wagte, Verluste zu melden. Es war sicher, daß derjenige von den anderen Imkern runtergemacht wurde.
Der zweite Grund ist der Ausgleich durch Kunstschwärme und Ableger. Gemeldet werden bei der Erhebung der Bienenvölkerzahlen nur die produktiven Bienenvölker. Also ein Imker kann 10 Produktiv-Völker besitzen und 10 Jungvölker, gemeldet werden dann in der Regel 10 Völker.

Ein Bienenvolk läßt sich teilen, so daß wie bei den Pflanzen sogenannte Ableger gemacht werden können. Es ist heute in der Praxis so, daß jedes Jahr sehr viele Ableger gebildet werden. Also aus einem Volk werden bis zu drei Völkern. Theoretisch müßte sich daher jedes Jahr die Völkerzahl verdreifachen lassen.

Es spricht ganze Bände, wenn das Gegenteil der Fall ist und die gemeldeten Völkerzahlen in den letzten zehn Jahren drastisch sinken. Die Imker können 80% ihrer produktiven Völker verlieren, gleichen das mit Ablegern oder Zukauf aus - und melden 0 Verluste.Teilweise auch um das Gesicht zu wahren.

Und wenn dann noch die Importe von Bienenvölkern aus Übersee rasant ansteigen, dann läßt sich leicht erahnen, daß die offiziell gemeldeten Verluste von 15-30% keine realistischen Werte sind. Zu den Importen habe ich keine verlässlichen Zahlen. Ich beobachte nur, daß die Angebote dazu vermehrt zu finden sind und laut Aussagen der Importeure selbst brummt das Geschäft. Das beobachten auch die Imkerverbände so und geben entsprechende Warnungen heraus, weil das Importieren von Bienenvölkern die Gefahr mit sich bringt, neue Krankheiten einzuschleppen, die es bei uns noch nicht gibt.

Zu beachten ist, daß Importe teilweise verdeckt laufen, weil die importierten Völker erst hier aufgestellt werden, zu einem Vollvolk entwickelt und dann geteilt als “Ableger aus Deutschland” verkauft werden. Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr hoch.
2. Was sind Ihrer Erfahrung nach die Gründe für das massive Bienensterben?

Die von einigen Imkervertretern, Politikern und Wissenschaftlern gleichermaßen verkündete Botschaft, daß das Bienensterben “multifaktorielle” Ursachen hat, zeugt nur von der Inkompetenz mit komplexen Vorgängen umzugehen. Natürlich herrscht in biologischen Systemen eine hohe Komplexität - doch die Art der Beziehungen der einzelnen Elemente des Systems sind überschaubar.

Es wird Sie überraschen, wenn ich Ihnen sage, daß der Grund für das heutige massive Bienensterben etwa 12.000 Jahre zurück in der Geschichte des Menschen liegt. Der Wissenschaftler und Autor Jared Diamond beschreibt den Beginn der Landwirtschaft als”The Worst Mistake in the History of the Human Race”.
Siehe:
http://www.scribd.com/doc/2100251/Jared-Diamond-The-Worst-Mistake-in-the-History-of-the-Human-Race

Nun könnte man mir vorwerfen, daß dies weit hergeholt oder eher philosophisch ist - und in der Tat wird mir das auch vorgeworfen. Ich habe aber berechtigte Gründe für diese Aussage, die ich lang und breit recherchiert habe und im Folgenden wenigstens grob umreißen will.

Es geht um die Behandlung des Bodens.

Mit der Einführung der Landwirtschaft durch die neolithische Revolution, begannen die Menschen vermehrt Getreide anzubauen und dazu haben die Menschen begonnen, den Boden zu bearbeiten - so wie sie es für richtig hielten.

Die Art der Bodenbearbeitung durch Umpflügen und Hacken ist eine Technik, die auf der Brandrodung von Wäldern gründet. Dadurch konnte der vom Wald aufgebaute Humus genutzt werden, der Basis für jede Art von Fruchtbarkeit ist.
Humus ist heute ein weit und breit verwendeter Begriff, doch die meisten Aussagen zum Humus sind samt und sonders falsch. Auch die von Experten und Beratern der Landwirtschaftskammern. Die wenigsten Menschen haben auch nur eine Ahnung, worum es beim Humus tatsächlich geht. Bezeichnend dafür ist auch der von den Landwirtschaftskammern genutzte Humusindex, der so ziemlich alles aussagt, aber nichts über den Humus.

Im Wesentlichen verläuft die Bildung von Erdreich so: 1) Gestein verwittert physikalisch. 2) Steinbewohnende Lebewesen, sogenannte Lithobionten besiedeln den Stein und schließen ihn biochemisch auf. 3) der aufgeschlossene Stein bietet eine große Oberfläche zur Besiedelung weiteren Lebens. Die Oberfläche verzehnfacht sich. 4) Durch Porenbildung entstehen erste organische Verbindungen, da die Poren eine Art Zelle bilden, die die physikalischen und chemischen Voraussetzungen für die Bildung organischer Substanzen bietet. 5) Photosynthetisierende Bakterien und Pflanzen bauen weitere organische Verbindungen auf. 6) Weitere Lebewesen ernähren sich von den Photosyntheseerzeugnissen. 7) Die Lebewesen sterben ab und werden zersetzt.

Achtung, und jetzt ist es wichtig zu verstehen, wie es weiter geht. In einem naturbelassenen Boden geschieht nun das Folgende. Dort werden die Lebewesen biologisch aufgeschlossen, was bedeutet, daß die organischen Verbindungen nicht in mineralische Verbindungen zersetzt werden, sondern (!) in organische Makromoleküle. Also nicht vollständig zerstört. Diese Bruchstücke werden nun von aufbauenden(!) Mikroben aktiv eingelagert(!) und später weiterverwendet! Auch Pflanzen können sich über die Endocytose von diesen Makromolekülen ernähren. Diese organischen Makromoleküle sind wichtig, weil essentielle Stoffe (!) daraus entstehen - die lebenswichtig für Pflanze, Mensch und Tier sind.

Die biologische Aufschließung ist ein biologischer Prozeß und wie alle biologischen Prozesse benötigt dieser bestimmte Voraussetzungen, was pH, Temperatur, Feuchte usw. betrifft. Und was biologische Prozesse noch benötigen, sind vernetzte Aktionen von Lebensgemeinschaften. Gerade was die Arbeit der Bodenlebewesen betrifft. Hier arbeitet ein Lebewesen für das andere und bereitet den Weg vor.

Mit dem Beginn der Bodenbearbeitung durch den Menschen wurden diese Prozesse gestört. Durch das Umpflügen, Wenden und Hacken werden die Bewurzelung und Pilzgeflechte des Bodens zerstört. Lebensnetzwerke im Boden benötigen aber genau diese Bewurzelung. Von den Blüten weiß fast jeder Mensch, daß sie Nektar abgeben - bei den Wurzeln weiß kaum jemand, daß diese auch Zucker/Nektar ausscheiden und so mit dem Photosyntheseprodukt Zucker das Bodenleben nährt. Im Gegenzug erhält die Pflanze von den Mikroben wichtige Nährstoffe.

Solange es Wald und/oder bewachsene Flächen gab, zogen die Menschen weiter, wenn das Land nach ein paar Jahren bis Jahrzehnte unfruchtbar wurde. Die brachliegenden Flächen konnten sich wieder erholen.

Da die Menschheit sich um 17./18. Jahrhundert herum auf dem ganzen Planeten ausbreitete und begann, auf der ganzen Welt den Boden zu bearbeiten, dauerte es nicht lang, bis die ersten großflächigen Probleme mit der Ernährung auftraten. Den Menschen war offensichtlich, daß dem Boden die Fruchtbarkeit schwand und so versuchten sie, die Fruchtbarkeit durch Düngung mit Tiermist zu ersetzen. Die Pflanzen wuchsen daraufhin wieder kräftig - wie ich gleich ausführen werde, ist das aber nur dem Augenschein nach so!

Mit dem Anwachsen der Weltbevölkerung nahmen diese Probleme drastisch zu. Der Chemiker Justus von Liebig konnte mit seiner chemischen Düngung des Bodens wieder erste Hilfe leisten, so daß die mengenmäßige Produktion von äußerlich gut aussehenden Landwirtschaftsprodukten, hier vor allem Getreide, wieder angekurbelt wurde. Mit der Industriellen Revolution der Landwirtschaft, die um 1900 herum begann, wurde die Bodenbearbeitung immer weiter und schneller praktiziert - die Auswirkungen der Bodenbearbeitung verschärften sich und münden in das ökologische Desaster, das wir heute erleben.

Die Biene wird zu Recht als Bio-Indikator bezeichnet - sie ist Anzeiger für die Gesundheit des Naturhaushaltes. Da der gesamte Naturhaushalt, alles Leben, auf den Boden beruht, ist die Honigbiene damit auch Anzeiger für die Bodengesundheit.

Die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen Boden und Menschheit, hat die Autorin Annie Francé-Harrar aufgearbeitet. Wenn es Sie interessiert - das Buch können Sie hier online lesen:
http://france-buch.de/

Die heutige Bodenbearbeitung beruht auf der Annahme, daß sich die Kulturpflanzen, vor allem Getreide, von Mineralien ernähren (heterotroph). Deswegen wurde und wird in der Landwirtschaft auch mit Mineralsalzen gedüngt (NPK-Düngung).

Das ist auch zu einem Teil so. Doch die Pflanze ist kein Lebewesen, das alleine für sich lebt. In Wirklichkeit lebt jedes (!) Lebewesen in einem Netzwerk aus Lebewesen. So auch wir Menschen. Ein Mensch besitzt etwa 10 Billionen menschliche Zellen und 100-1.000 mikrobielle Zellen. Das sind Milben, Nematoden, Bakterien, Pilze und viele andere Lebewesen, die auf und im Menschen leben - und ohne die wir nicht leben können. In einem Biofilm lebende Bakterien im Darm des Menschen sind die Produzenten der essentiellen Stoffe Vitamin B12 und Vitamin K - die wir ohne diese Lebewesen nicht selbst produzieren können und ohne die wir nicht leben können. Denn unsere Zellen benötigen Bausteine zur Herstellung von Antikörpern, um das Immunsystem auf Zellebene aufzustellen. Diese Bausteine werden von den Mikroben geliefert. Siehe: “Wie Zellen funktionieren: Wirtschaft und Produktion in der molekularen Welt.”, ISBN: 978-3827424532

So ist es auch bei der Pflanze. Die feinen Haarwurzeln einer Pflanze sind ummantelt von einem feinen Schleim oder Biofilm mit nützlichen Mikroben. Die Pflanze füttert diese Mikroben mit dem Photosyntheseprodukt Zucker und diese schließen dafür mineralische Bestandteile für die Pflanze auf. Eine Art Tauschgeschäft.

Nun gibt es Mikroben im Boden, die abgestorbene Lebewesen biologisch aufschließen und organische Makromoleküle in Form von Humus bereitstellen. Diese Makromoleküle sind die Grundlage dafür, daß Mikroben und Pflanzen organische essentielle Stoffe und Enzyme herstellen. Siehe:
“Microorganisms in Soils: Roles in Genesis and Functions” von Ajit Varma und Francois Buscot, ISBN: 978-3642060717

Diese wiederum sind notwendig, um langfristige Mangelerkrankungen zu vermeiden und ein Funktionieren des Immunsystems zu gewährleisten. Humus ist damit die Grundlage jedes höheren Lebens und Grundlage für eine Kerngesundheit.

Durch die Bodenbearbeitung jedoch wird die Humusbildung zerstört und alle organischen Stoffe mineralisiert.

So können Pflanzen zwar wachsen, sie sind aber leer und inhaltslos, was essentielle Stoffe betrifft. Das führt dazu, daß die Pflanzen krank werden - und alle Lebewesen inklusive des Menschen, die sich davon ernähren. Bitte lesen Sie das Buch: “Nutrition and Physical Degeneration.” von Weston Andrew Price, ISBN: 978-0879838164, der das eindrucksvoll dokumentiert und belegt hat, was den Inhalt von Lebensmitteln aus der modernen Landwirtschaft betrifft. Eine interessante Ergänzung dazu ist die Literatur: “Das Getreide - Zweischneidiges Schwert der Menschheit.” von Loren Cordain, ISBN:978-3929002355

Weil die Ursache nicht erkannt worden ist (obwohl die Erkenntnisse seit 1906 bestehen! Siehe: Raoul Heinrich Francé: Das Edaphon. [Begründer der Bodenbiologie]), hat man sich darauf verlegt, die Krankheiten zu bekämpfen - mit Pflanzenschutzmitteln.

Die Pflanzenschutzmittel sind jedoch den Bodenlebewesen nicht zuträglich, vor allem verhindern sie den Aufbau von Humus. Der Ackerboden mineralisiert die organischen Bestandteile unter großem Verlust von Humus und verliert Struktur und Halt. Die Äcker verwüsten wortwörtlich!

Verschlimmert hat sich die Lage durch die “Verbesserung” der Pflanzenschutzmittel, indem sie heute systematisch wirken, also durch die Wurzeln aufgenommen werden und in die gesamte Pflanze “eingebaut” werden. Die systematische Wirkung beschränkt sich selbstverständlich nicht auf das Lebewesen Pflanze sondern birgt das Potential bei allen anderen Lebewesen genauso systemisch unterschwellig zu wirken.

Die Bodenbearbeitung hat den gesamten Naturhaushalt in den ökologischen Ruin geführt und den Humus als Grundlage des Lebens und der Gesundheit zerstört. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und insbesondere der Einsatz von systemischen Pflanzenschutzmitteln ist jetzt der Tropfen, der das gesamte Fass zum Überlaufen bringt und den Naturhaushalt kollabieren läßt.
http://www.imkerdemo.de/2010/02/spritzmittel-halbieren-artenvielfalt/

Es ist daher folgerichtig und logisch, daß die Gesundheit der Bienen allein durch den Mangel an essentiellen Stoffen herabgesetzt wird. Die Gesundheit wird zusätzlich noch durch Insektizide geschwächt, da Honigbienen als Insekten nunmal anfällig dafür sind.

Nicht nur Insektizide machen den Honigbienen zu schaffen. Auch Fungizide, also MIttel gegen Pilze. Wie ist das möglich? Auch die Honigbienen leben als Lebewesen nicht alleine für sich. Vielmehr zeigt sich, daß ein Bienenstock mit einer Vielzahl von Mikroben besiedelt ist. Martha Gilliam hat in ihren Studien 8.000 verschiedene Mikrobenarten identifiziert. Einige davon sind Pilze wie der Aspergillus oder Penicillium. Die Bienen tragen Pollen in den Stock und stampfen den Pollen vermischt mit Nektar in die Zellen, wo verschiedene Durchläufe der Bearbeitung durch Mikroben stattfinden. Vor allem Enzyme, Pilze und Milchsäurebaktieren. Die Pilze sind für die Produktion von Vitamin K verantwortlich und Bienen haben keine einzige andere Quelle für dieses wichtige Vitamin.

Wenn Fungizide die Arbeit der Pilze stört, stört es den Vitamin K-Haushalt der Bienen. Das wiederum senkt das Immunsystem und erhöht die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten.

Das Disaster ist also komplett.
http://www.imkerdemo.de/2010/12/das-nahende-disaster-bucherscheinung/

3. Wie verhalten sich die politischen Entscheidungsträger in dieser Sache?

Die politischen Entscheidungsträger, namentlich Frau Aigner und ihr Vorgänger Herr Seehofer, handeln im Sinne der Industrie, sowohl der chemischen als auch der landwirtschaftlichen Industrie. Das ist der
Arbeit unzähliger Lobbyisten geschuldet, die zwar die Politiker nicht kaufen, aber durch persönliche Kontakte beeinflussen, salopp gesagt “bequatschen” und etwas diplomatischer ausgedrückt “beraten”.

Die meisten Imker haben schon früh erkannt, daß das Problem nicht bei den Landwirten zu suchen ist und auch nicht beim Hersteller der Pflanzenschutzmittel. Natürlich könnte der Hersteller sich an dem Verfahren “cradle to cradle” nach Michael Braungart orientieren. Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=O7FGfI8Y-Fw

Auch wirtschaftlich wäre das cradle-to-cradle Verfahren für die Chemieindustrie interessant - bisher zeigen sich aber deutsche Unternehmen und deutsche Behörden als äußerst dumm. Entschuldigen Sie die harten Worte, aber anders als dumm ist solches Handeln nicht zu bezeichnen, wenn solche Möglichkeiten von vorne herein ausgeschlagen werden. Die Niederländer sind da viel pfiffiger und betreiben cradle-to-cradle organisiert. Obwohl die Idee dazu aus Deutschland stammt, wird sie wie so oft erst exportiert - um dann mit einer Verzögerung re-importiert zu werden. Die Chance, die Rolle des Pioniers einzunehmen, wird vertan.

Die Imker haben also erkannt, daß es vor allem der Verbraucherschutz und die Lebensmittelsicherheit sind, die dafür Sorge tragen zu haben, den Naturhaushalt und den Verbraucher zu schützen.

Deswegen haben wir bereits 2008, als die Behörden, namentlich das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), nach dem großen Bienensterben das verantwortliche Pestizid wieder zur Anwendung freigab, vor dem BVL demonstriert. Das BVL zeigte sich zunächst überrascht, daß die Imker vor ihrer Haustüre demonstrierten. Doch die Gesprächsbereitschaft war vorhanden. Telefonate und Schriftverkehr erfolgte - durchweg konstruktiv.

Vertreter von Imkern, nicht aus Verbänden, sondern “freie” Imker, darunter meine Person, wurden zu einem Gespräch nach Braunschweig eingeladen. (Nach einer zweiten Demo in Berlin allerdings).

Dieses Gespräch wurde kurzerhand abgesagt, obwohl wir nur Tage zuvor die Einladung schriftlich erhielten. Das BMELV ist allen Anschein nach eingeschritten und hat dem BVL die Kommunikation mit uns freien Imkern untersagt. E-Mails wurden nicht mehr beantwortet, die Telefonate liefen ins Leere.

Stattdessen wurde eine Parallelveranstaltung beim BMELV durchgeführt, bei dem nur Vertreter der Imkerverbände eingeladen wurden (nicht die Opfer selbst, wohlwissend.) Seither werden Anstrengungen von Frau Aigner unternommen, die Zulassungsverfahren zu “entbürokratisieren” und zu vereinfachen. Angeblich, um eine Forderung der EU umzusetzen, doch in meinen Augen ist das eine müde Verlagerung der Verantwortung.

Wie weiter oben schon dargelegt, gehe ich nicht davon aus, daß Frau Aigner und das BMELV “gekauft” sind von der Industrie. Ich gehe davon aus, daß die Industrie hier vor allem Lobbyismus betreibt und durch persönliche Kontakte erheblichen Einfluß nimmt.

Auch im Bundestag ist “man” vertreten:
Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e.V. (FNL)
http://www.bundestag.de/dokumente/parlamentsarchiv/sachgeb/lobbyliste/lobbylisteaktuell.pdf

Zur FNL:
http://www.fnl.de
…der Förderverein mit folgenden Mitgliedern:
http://fnl.de/fnl/organisation.html

Zum Beispiel:
* BASF SE, Ludwigshafen
* Bayer CropScience Deutschland GmbH, Langenfeld
* Dow Agroscience GmbH, München
* DU Pont des Nemours GmbH, Neu-Isenburg
* Monsanto Agrar Deutschland GmbH, Düsseldorf
* Syngenta Agro GmbH, Frankfurt
* Verband der Chemischen Industrie e.V., Frankfurt
*…etc.

Siehe auch:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,741927,00.html

Die Parteien, insbesondere die FDP, üben sich darin, die Belange der Industrie zu verteidigen und die Ursachen zu vertuschen. Als oberste Lobbyistin der Gentechnik- und Chemieindustrie hat sich Frau Happach-Kassan der FDP hervorgetan. Sie tritt auf Veranstaltungen der Imker auf und ist Wortführerin im Bundestag bei Bienenthemen. Die FDP ist eine kleine aber einflußreiche Partei und daher geeignet für Lobbyarbeit.
Siehe auch:
http://www.imkerdemo.de/2008/10/offener-brief-an-den-fdp-politiker-edmund-geisen/

Das ist im übrigen auch auf europäischer Ebene so:

Akkreditierte Interessenvertreter bei der EU von Bayer. Mit Zugang zu den Gebäuden des
Europäischen Parlaments.
http://www.europarl.europa.eu/parliament/expert/lobbyAlphaOrderByOrg/search.do?language=DE&name=Bayer*

BASF:
http://www.europarl.europa.eu/parliament/expert/lobbyAlphaOrderByOrg/search.do?language=DE&name=BASF*

Syngenta:
http://www.europarl.europa.eu/parliament/expert/lobbyAlphaOrderByOrg/search.do?language=DE&name=SYNGENTA*

Wie Sie sehen, werden die Politiker von allen Seiten “beraten” und bequatscht. Entsprechend entscheiden die Politiker auch - zum völligen Unverständnis der Bevölkerung und der Opfer.

4. Es scheint, dass Insektizide zumindest mitverantwortlich sind für das Sterben. Gibt es politische Bestrebungen diese Stoffe zu verbieten? Falls nein, wie wird die Ablehnung begründet?

Es gibt keine ernsthaften politischen Bestrebungen, diese Stoffe im Besonderen zu verbieten. Selbst der Stoff, der für das große Bienensterben 2008 verantwortlich ist, wurde nur kurzfristig (einige Wochen) suspendiert - um pünktlich zur Aussaat des Raps wieder freigegeben zu werden. Und das, obwohl diese Zeit niemals ausgereicht haben kann, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Hier hat das BVL dem Druck der Industrie und Landwirtschaft nachgegeben, die Beize wieder zuzulassen. So ist Clothianidin bis zum
heutigen Tage in Maiskulturen nicht erlaubt. Die Zulassung wurde aber nicht entzogen, sondern nur ruhen gelassen. (!) In Kartoffeln, Weizen, Raps, Zuckerrüben und vielen anderen Kulturen (auch im
Hausgarten oder im Hundeflohhalsband) sind Neonicotinoide weiterhin erlaubt und massiv im Einsatz. Das führt auch zu weiteren nachgewiesenen Vergiftungen, wie hier zu sehen ist:
http://maps.yourgmap.com/v/c_17w_Bienenvergiftungen.html

Sogar Vergiftungen in für Bienen exotischen Kulturen wie Spargel sind dabei, wo auch Neonicotinoide eingesetzt werden.

Von politischen Bestrebungen, sich überhaupt mit systemischen Pflanzenschutzmitteln detailliert auseinanderzusetzen, kann nicht mal ein Ansatz gefunden werden. Und das ist angesichts der Bestrebungen der Industrie, diese Mittel weiter auszubauen, eine ernstzunehmende Gefährdung. Denn die Firma Bayer als Beispiel, beabsichtigt laut Aktionärsbericht die Entwicklung dutzender neuer systemischer Insektizide in den nächsten fünf Jahren. Als Beispiel sei hier das Produkt Movento genannt.

Die Begründungen, weswegen sich die Politik und die Behörden sich damit nicht auseinandersetzen wollen, sind mehr als fadenscheinig. Das Ereignis in 2008 mit dem großen Bienensterben wird als einmaliges Ereignis hingestellt und die Schuld wird der unsachgemäßen Ausbringung gegeben. Es hätte halt nicht so stauben dürfen bei der Aussaat. Nun sind wir einige Jahre weiter und in Österreich hat man verbesserte Sähmaschinen im Einsatz beim Mais, die nicht so stauben (andere Drucklufttechnik).

Die Ergebnisse sind, daß die Imker in Österreich massive Verluste erleiden, die im Zusammenhang mit der Maisaussaat stehen - obwohl die Ausbringung optimiert worden ist.

Zitat: “Nach der Maisaussaat 2010 gibt es bereits wieder Bienenschäden, vor allem in der Steiermark und in Oberösterreich. Bereits das dritte Jahr in Folge treten die Schäden auf, trotz “risikomindernder Auflagen” durch die Zulassungsbehörde, die offensichtlich Bienenschäden nicht verhindern können. Bereits 2008 waren mehr als 3.500 Bienenvölker betroffen. …Angesichts der neuerlichen Bienenschäden fordert Biene Österreich zum Schutz der Honigbienen und der anderen Bestäuberinsekten ein Verbot der
Saatgutbeizung mit Neonicotinoiden.”
http://www.biene-oesterreich.at/index.php?id=2500%2C1128424%2C%2C
http://www.dafne.at/dafne_plus_homepage/index.php?section=dafneplus&content=result&come_from=&&search_fields[offer_number]=100472&search_fields[title_ger]=&search_fields[research_objective]=&search_fields[beauftragungsjahr]=&search_fields[antragsteller]=&search_fields[projektleiter]=&project_id=2909

Die Verluste finden nun weiter subletal statt, also durch eine chronische Vergiftung, schleichend und beendet durch Krankheiten. Dabei wird den Krankheiten die Schuld in die Schuhe geschoben.

Hier spielt vor allem das Deutsche Bienenmonitoring eine große Rolle bei der Argumentation.
Das Deutsche Bienenmonitoring wurde wegen der großen Verluste schon vor 2008 ins Leben gerufen. Bayer, BASF und Syngenta und einige andere sind Projektmitglieder. Die Ergebnisse des deutschen Bienenmonitorings “als größtes Bienenmonitoring in Europa/Deutschland” wird von Bayer und Co. an ungefähr jeder möglichen Stelle zur Argumentation verwendet. Das auch gegenüber Entscheidungsträgern in der Politik und bei den Behörden. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Wenn solche Firmen im Ausland die Zulassungen für ihre Produkte beantragen, verweisen sie unter anderem auch auf das Deutsche Bienenmonitoring. Sogar Monsanto hat bei der Beantragung einer Zulassung für GVOs das Deutsche Bienenmonitoring angeführt. Auch in der Welt der Wissenschaft verbreiten fleißige Lobbyisten dieser Konzerne die “Ergebnisse” des Deutschen Bienenmonitorings und bilden daraus Schlagwörter. Es ist interessant, daß auf globaler Ebene zu beobachten. Wenn Politiker in England, Deutschland, Frankreich und den USA gleichzeitig damit argumentieren, daß die Hobbyimker das Problem sind, dann stimmt das schon sehr nachdenklich und weist auf eine konzertierte Aktion hin. Denn das, was Herr Maske (Präsident des Deutschen Imkerbundes) da zu den hohen Verlusten bei Hobbyimkern “im Gegensatz zu den wissenschaftlich betreuten Imkern” ausgesagt hat, wurde sinngemäß vom Präsidenten des englischen BBKA bereits in den vergangenen Wochen ausgesagt. Und in den USA gab es diese Stimmen auch.

Das liegt weniger daran, daß die Konzerne auf Einkaufstour gegangen sind und die Präsidenten bestochen haben, nein - es liegt an der Desinformation mit angeblich “wissenschaftlichen” Fakten.

Eine Quelle solcher “Fakten” ist bisher das Deutsche Bienenmonitoring gewesen.

Das Bienenmonitoring wurde immer von den Imkern angegriffen, weil Bayer und Co. sich daran beteiligten und es regelrecht mißbrauchten. Es gab des Öfteren Jahresberichte des Monitorings ohne Autorenangaben und anderen wichtigen Angaben, die für die Nachvollziehbarkeit essentiell sind, weswegen die Wissenschaftlichkeit des Projektes angezweifelt wurde.
Schließlich, nach Jahren, haben sich die beteiligten Wissenschaftler hingesetzt und eine Veröffentlichung in dem wissenschaftlichen Journal Apidologie gemacht. Wenn Wissenschaftler in einem wissenschaftlichen Journal eine Veröffentlichung machen, dann ist es üblich, daß andere Wissenschaftler da noch mal gegenlesen. Wie schon von anderen hier geschrieben, entbehrt dieser Artikel in der Apidologie jedoch dem allgemeinen wissenschaftlichen Anspruch in einigen Punkten.

Und es ist offensichtlich, daß hier Positionen und Stellungen genutzt worden sind, damit dieser Artikel trotzdem erscheint. Zwei der Autor(inn)en sitzen im “Editorial Board”, zwei weitere im “International Scientific Board” von “Apidologie”.
http://www.apidologie.org/index.php?option=com_content&view=article&id=96&Itemid=101&lang=de

Das wäre sonst nicht so gewesen, denn jedes Journal prüft die Veröffentlichungen auf grundlegende Wissenschaftlichkeit und Nachvollziehbarkeit. Und jedes Journal muß um seinen Ruf fürchten, wenn es wissenschaftlichen Blödsinn veröffentlicht. Diese Prüfung durch das Journal und Wissenschaftlerkollegen hat zur Folge, daß wenn ein Artikel veröffentlicht wird, dieser allgemein als überprüft und gültig angesehen wird. So eine Veröffentlichung in einem wissenschaftlichen Journal hat daher einen ganz anderen Stellenwert als ein “Jahresbericht DeBiMo”. Denn jeder andere Wissenschaftler kann nun auf diesen Artikel referenzieren. Und das wird geschehen, vor allem von den Konzernwissenschaftlern.Auf diese Veröffentlichung hin hagelte es berechtigte Kritik:
http://www.imkerdemo.de/2011/01/deutsches-bienenmonitoring-ein-review/

Auch in anderen Ländern versuchen die Hersteller massiv die Imker zu beeinflussen. In England werfen die Imker ihrem Verband BBKA vor, daß dieser jahrelang Spenden in Höhe von insgesamt 175.000 £ von Bayer, BASF, Syngenta und der belgischen Firma Belchim angenommen hat. Im Gegenzug durften diese Hersteller auf die insektiziden Produkte einen Aufkleber mit dem Logo des BBKA draufkleben: “Dieses Produkt ist bienensicher. BBKA”. (sinngemäß für “bee friendly” / “bee safe”)

Dabei handelte es sich um synthetische Pyrethroide, z. B. Cypermethrin und Deltamethrin,
die als höchst bienentoxisch einzustufen sind.

Der Kanadische Imkerverband Canadian Honey Council nimmt eine Spende von Bayer entgegen, wobei Bayer sich für die gute Zusammenarbeit bedankt. 300.000 Bienenvölker, das ist die Hälfte der Völker in Kanada, stehen dabei im Dienst von Bayer und Monsanto. Sie bestäuben 12,6 Millionen Tonnen Raps zur Saatgutgewinnung. Weitere 80.000 Völker bestäuben spezielle Hybridrapssorten.
http://1.1.1.2/bmi/sfapiculture.ca/wp-content/uploads/2009/11/CHC-Bayer.png

Um die Frage zu beantworten: Es gibt keinerlei politische Bestrebungen, an der Situation etwas zu ändern und das drohende Desaster zu verhindern. Im Gegenteil deckelt die Politik jeden Versuch. Begründet wird das damit, daß die Imker “selbst schuld seien und die Varroa nicht in den Griff bekommen”. Als Beleg wird das Deutsche Bienenmonitoring angeführt.

Die Situation ist, daß Imker, die zehn, zwanzig, dreißig Jahre lang erfolgreich imkerten und in den letzten zehn Jahre trotz Varroa keine Verluste hatten, daß selbst diese fachlich versierten Imker heute zum Teil erhebliche Völkerverluste beklagen. Da das Artensterben sowohl der Pflanzen als auch der Bestäubungsinsekten zu gleicher Zeit enorme Ausmaße annimmt, ist das ein Zeichen für einen Niedergang und Kollaps des Naturhaushaltes - und weniger die Unfähigkeit einzelner Imker.
Siehe auch:
http://www.imkerdemo.de/2008/09/heute-im-bundestag/

5. Auch das Insektizid Neonicotinoid scheint eine wesentliche Rolle zu spielen. Ist dieser Stoff in Deutschland noch erlaubt? Wird er noch verwendet?

Diese Frage habe ich weiter oben schon beantwortet. Bei den Neonicotinoiden handelt es sich um eine Gruppenbezeichnung von Stoffen. Das Insektizid aus 2008 heißt Clothianidin und ist weitläufig im Einsatz. Zusammen mit dem Insektizid Imidacloprid ist es das umsatzstärkste Insektizid weltweit (!).Interessant ist in dem Zusammenhang, daß es gesetzliche Möglichkeiten gibt, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen - bei einem sogenannten Behandlungsnotstand. Diese Ausnahmegenehmigungen verfünffachten sich in den vergangenen Jahren und stellt eine erhebliche Sicherheitslücke und Hintertür dar.

6. Lt. Einem Artikel auf der Seite „natural news“ hat die US-amerikanische Regierung Neonicotinoid zugelassen, obwohl man wusste, dass es den Bienenvölkern schaden kann (der Artikel ist hier zu finden: http://www.naturalnews.com/031091_USDA_pesticide.html . Haben Sie Kenntnis darüber ob ähnliches auch in Deutschland der Fall war?

In Deutschland war es ein ähnlicher Fall. Nur daß uns kein Dokument vorliegt, das
beweist, daß es schon bekannt war.

Bereits im Jahre 2006 (!) hat der Präsident des Deutschen Berufsimkerbundes (DBIB) vor
Clothianidin gewarnt. Siehe: http://www.imkerdemo.de/2008/07/offener-brief-von-manfred-
hederer/

Davor war die Gefährdung durch Clothianidin dem Vorläufer des BVL, der BBA seit dem
Jahr 2000 bekannt. Siehe:
http://www.imkerdemo.de/2008/11/die-lange-geschichte-des-abriebs-von-beizstauben/

Ich habe die Datei als Kopie noch vorrätig und kann sie Interessierten zuschicken. Dort wird belegt, daß der damalige Leiter der BBA mit Mitarbeitern an der Konferenz teilnahmen, auf der die italienischen Wissenschaftlern von den Problemen mit Clothianidin in Beizstäuben berichteten. Es folgten zwei weitere wissenschaftliche Publikationen in den nachfolgenden Jahren durch die Italiener - diese hätten bei der Zulassung von Bayer eingereicht werden müssen und/oder vom BVL eingefordert werden müssen. Die Studien waren jedem, also selbst Laien, zugänglich! Außerdem wurde in 2004 auf der nächsten internationalen Konferenz über Pflanzenschutzmittel, an der wieder die Mitarbeiter der Bieneninstitute und des BVLs teilnahmen, dieses Thema wiederholt vorgetragen.

Ich halte es persönlich für unmöglich, daß so etwas bei einer Zulassungsprüfung untergehen kann. Und wenn, dann halte ich es für absolut notwendig, die Zulassungsverfahren zu reformieren.

7. Was sind die Forderungen der Imker in Bezug zum Bienensterben? Was muss geschehen, um das Problem anzugehen? Was wird momentan schon getan um die Bienen besser zu schützen?

Leider haben die Imker keine einheitliche Stimme, sondern verlieren sich in Streitereien
und Befindlichkeiten.

Mein persönlicher Ansatz ist es, die Landwirtschaft so zu reformieren, daß der Naturhaushalt als Lebensgrundlage erhalten bleibt, wozu die Bodenbearbeitung neu erfunden werden muß, sowie die Art der Landwirtschaft. Höchst erfolgversprechend ist hier das sogenannte Agroforestry und der Mischkulturanbau. Der praktische Wegbereiter ist Josef Braun. Siehe:
http://www.nachhaltige-landnutzung.de/dateien/hof_braun.pdf
http://www.nachhaltige-landnutzung.de/
http://www.mischanbau.de/

Sowie das Buch: “Creating a Forest Garden: Working with Nature to Grow Edible Crops”
von Martin Crawford, ISBN: 978-1900322621

Die Lösungen sind durchkonzipiert und praktisch voll erprobt. Es wartet eigentlich nur die Umsetzung, die aber von der Politik mehr gehindert als unterstützt wird. Die dazu notwendigen Schritte wären:

1) Verbot aller systemischen Insektizide.
2) Reform der Zulassungsverfahren (Verschärfung und Ausrichtung auf chronische
Wirkungen).
3) Erweiterung des Wissens über die Bodenbiologie und -ökologie. Laut einem Bericht der EU über die Biodiversität des Bodens kennen wir heute nur 1% der Bodenlebewesen, ganz zu schweigen von deren Zusammenhängen.
4) Reform der Bodenbearbeitung unter Berücksichtigung aller gewonnenen Erkenntnisse.
5) Reform der Landwirtschaft und Ausrichtung auf regionale Ernährungssicherheit, so wie im Weltagrarbericht berechtigerweise gefordert.
6) Ausrichtung der Industrie und Landwirtschaft an cradle-to-cradle.

Ein zunehmendes Problem ist, daß der Energiehunger und das Ende fossiler Energieträger die Landwirtschaft in eine Energieproduktion zwängt - aus Sicht des Bodens ist das katastrophal. Denn die Fruchtbarkeit des Bodens, und damit der Gesundheit aller auf und von ihm lebenden Wesen, hängt von der Humusakkumulierung ab. Diese jedoch wird durch die Biogasproduktion und Grünmasseverbrennung massiv gestört, da bei diesen Prozessen die organischen Stoffe mineralisiert werden - und damit nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn es darum geht, essentielle Stoffe im Boden für den Lebenskreislauf zu synthetisieren. Daher ist eine weitere Forderung, sich eine naturgerechte Energieerzeugung zuzuwenden.
Siehe dazu: http://www.buch-der-synergie.de dort vor allem Teil D.

Diesen Beitrag als PDF herunterladen: Zusammenfassung Bienensterben

Trackback: Trackback-URL |  Autor: Bernhard

Diesen Beitrag kommentieren.

Kommentar abgeben