Imkerdemo Bonn

Sonntag, den 14. September

ab 12 Uhr

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Bonn

Demo gegen Bienensterben in Bonn

Rubrik: allgemein

Diethelm Schneider

Die Bedrohung elementarer Ökosystem-Funktionen wird für Pharma-Profit in Kauf genommen – Gegen die Wiederzulassung von Clothianidin soll im September in Bonn demonstriert werden.

Obwohl man den Mais-Zünsler auch dadurch bekämpfen kann, dass man auf Flächen, auf denen gerade Mais geerntet wurde, als nächstes keinen Mais sondern eine andere Feldfrucht anbaut, war der Einfluss der Agrochemie-Lobby (in diesem Falle Bayer CropScience) in Baden-Württemberg offenbar ausreichend, dass man die Politiker dazu bringen konnte, eine Verordnung zu erlassen, die vorschrieb , dass Mais-Saat nur noch nach Behandlung mit Clothianidin ausgebracht werden durfte.

Dass Clothianidin ebenso wie Imidacloprid ein starkes Insektengift (und Nervengift) ist und auf alle Insekten tödlich wirkt, ist lange bekannt. Genau das sollte es ja tun: Insekten umbringen. In den Augen der Pharma-Industrie sind Insekten und Schädlinge das gleiche. Dass Bienen als Nützlinge auch unter die Insekten fallen, ist eben Pech. Nur gut, dass die Bodenlebewesen, die dem Gift zum Opfer fallen, so klein sind, dass man sie mit bloßem Auge kaum sieht. So nimmt es kaum einer war, und es gibt keine Beschwerden. Wenn sich der Zustand des Ackerboden deswegen verschlechtert, verkauft man dem Landwirt einfach noch ein paar zusätzliche Düngemittel – alles paletti.

Beim Ausbringen des mit Clothianidin behandelten Saatgutes kam durch den (bösen) Wind leider ein bisschen Abrieb auf die Blüten der Umgebung. Wenn nicht den Imkern die Bienen gestorben wären, hätte es keiner gemerkt.

Was auch keiner gemerkt hat (na ja, also bis auf ein paar Fachleute vielleicht) sind die Konsequenzen:

Clothianidin auf den Blüten bedeutet: Tod aller Blütenbesucher. Blütenbesucher sind eine ungeheure Fülle von Insekten, die alle eine bedeutende Rolle im Naturhaushalt spielen:

Neben der Honigbiene sind das nicht nur weitere 550 Wildbienenarten, die in Deutschland vorkommen, sondern auch tausende von Schlupfwespen, Lehmwespen, Grabwespen, Wegwespen, Papierwespen, Hornissen, Raupenfliegen, Schmetterlingen und weitere Insektengruppen. Alle zu diesen Gruppen gehörenden Insekten sind für die Eigenversorgung auf Nektar, d.h. auf Blütenbesuch angewiesen. Alle diese Insekten sind von diesen Vergiftungen betroffen!

Die Folgen sind absehbar: Nicht nur dass die Artenvielfalt abnimmt: Eine Vergiftung der Augenfalter führt zu einer Zunahme der Gräser und einer Abnahme der Blütenvielfalt auf den Wiesen, weil die Augenfalter-Raupen die Gräser nicht mehr in Schach halten. Eine Vergiftung der Schlupfwespen, Lehm- und Grabwespen führt zum Ausfall vielfältiger Regulationsmechanismen, die normalerweise die explosionsartige Vermehrung von Arten, die dann als Schädlinge auftreten können, verhindern. Das beutet, dass wir in der Folge vermehrt auftretende Schädlingskalamitäten beobachten werden.

Für die Agrochemie-Industrie ist das kein Verlust, weil sie dadurch ihren Absatzmarkt für Pestizide sogar noch vergrößern kann. ‘Kollateralschäden’ wie jetzt im Badischen kann man da schon mal in Kauf nehmen.

Aber nicht nur der Abrieb ist für die Blütenbesucher giftig ist. Neonicotinoide wie Clothianidin und Imidacloprid sind nämlich systemische Gifte, die von den Pflanzenzellen aufgenommen und beim Wachstum, d.h. der Zellteilung, auf die Tochterzellen verteilt werden. Für den Landwirt hat das den Vorteil, dass auch noch der Keimling und eventuell sogar noch die ausgewachsene Pflanze vor (Insekten-)Fraß geschützt ist. Für die Blütenbesucher hat das den Nachteil, dass auch im Pollen noch Spuren des Giftes zu finden ist. Auch wenn die Menge im Einzelfall nicht mehr ausreicht, um Insekten, die von dem Pollen fressen, unmittelbar zu vergiftet, hat es dennoch schwerwiegende Folgen. Zum Teil können das chronische Vergiftungen sein, also über einen längeren Zeitraum (die Agrochemie-Industrie fragt nur, ob innerhalb von 48 Stunden weniger als die Hälfte der damit behandelten Tiere sterben; dann ist es ‘bienenfreundlich’!). Mindestens genauso wichtig ist aber die Wirkung auf das Bienengehirn: Die im Pollen vorhandenen Mengen reichen aus, um eine Bereich des Gehirns zu beeinflussen, der für das Lernen eine bedeutende Rolle spielt! Das bedeutet, dass Bienen, die diesen Pollen gefressen haben, nicht mehr in der Lage sind, neues zu lernen. Sie lernen also keine neuen Blütenformen mehr, auch keine neuen Wege! Bei den Wanderimkern in Nordamerika hat das schon zum massenhaften Ausbleiben der Sammelbienen geführt, weil diese nach Verbringung des Stocks an einen neuen Standort nicht in der Lage waren, neue Wege zu lernen und stattdessen versuchten, zum alten Standort zurückzufliegen.

Aber auch stationäre Imker sind betroffen, weil Larven, die mit kontaminiertem Pollen gefüttert wurden, auch nicht in der Lage sind später als Sammelbiene Flug- und Heimkehrrouten zu lernen, genauso wenig wie Blütenformen und Farben. Das wiederum bedeutet, dass es Zeit verzögert auch hier Verluste gibt, wenn auch nicht so plötzlich und spektakulär wie bei den Wanderimkern.

In jedem Fall ist der Einsatz solcher Gifte unverantwortlich und muss verboten werden! Imidacloprid ist in Frankreich zum Beispiel schon lange verboten und Clothianidin wurde erst gar nicht zugelassen. Bei uns dagegen wird einfach behauptet, dass Saatgut und Bienen nicht miteinander in Berührung kommen und daher diese Insektengifte ‘bienenungefährlich’ seien.

Diethelm Schneider, Ökologie-Forum.de

aus: http://www.rheinraum-online.de
(mit freundlicher Genehmigung)

Eine Demonstration ist für Sonntag, den 14. September ab 12 Uhr angemeldet.

Ort:

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)
Rochusstraße
Bonn-Duisdorf

Bonn liegt bekannterweise ziemlich in der Mitte, ist gut ans Verkehrsnetz angebunden und das BMVL von Minister Seehofer ist ja das für die Imkerei zuständige Ministerium.

Die Sommerferien sind vorbei und die Arbeit an den Bienen ist auch getan - das meiste jedenfalls. Es ist genug Vorbereitungszeit, um auch in den Vereinen die Imker zu mobilisieren. Über die Kreisvereine könnten Busse organisiert werden.

Weiter Informationen werden in Kürze veröffentlicht.

Kontakt:
Klaus Maresch
Estermannstraße 139
53117 Bonn
0177 - 9133175
klaus.maresch@honighaeuschen.eu

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4 Kommentare

  1. 1

    hallo Herr Maresch,

    vielleicht wäre es gut, die Info zur Demo auch der Seite http://www.keine-gentechnik.de mitzuteilen.

    schließlich sind die Imker die erste gesellschaftliche und Berufs-Gruppe, die ganz offen und eingestandermaßen ohne jeden Schutzanspruch gegenüber der Grünen Gentechnik sehen sollen, wio sie bleiben können. (das hat der derzeit einzige Koexistenzbeauftragte, Herr Rudolph, aus dem Lande Brandenburg gesagt: “Die Imker sind schlicht und einfach gekniffen….”), nachzuhören ist dies bei DLF-Vorschau 2007.09.05- 10.05h -Länderzeit: “Bleibt der Anbau von Gen-Mais umstritten?”; die Sendung kann als MP3 heruntergeladen werden, Herr Rudolph ist nach ca. 23 min zu hören.

    ich denke an den Imkern wird ein Exempel ausprobiert und soll statuiert werden -Gnade uns….

    alles gute wünscht Ihnen gerd wittka

  2. Ich habe in einem Rundschreiben 1265 Imkervereine angeschrieben, auch Greenpeace sowie weitere Umweltverbände sind informiert.

    Mfg

    Klaus Maresch

  3. 3
    Marie-Luise Volk 
    Dienstag, 9. September 2008

    Imker, Landwirte und Konsumenten müssen sich zusammenschließen und bei der nächsten Bundestagswahl nur die Parteien wählen, die der AgroGentechnik eine Absage erteilen. Die AgroGentechnik steht in der Hierarchie der von Menschenhand gemachten Katastrophen an erster Stelle. Atomkraftwerke können notfalls noch abgeschaltet werden. Biologische Verschmutzungen, die durch die AgroGentechnik verursacht werden, nicht! Greenpeace, BUND, NABU, Campact, GGB, foodwatch, Imker- und Bauernverbände usw. müssen sich dieses Mal aktiv in in das Wahlkampfgeschehen einmischen. Dies sollte bei allen öffentlichen Veranstaltungen ab sofort deutlich werden. Abgeordnete wie z.B. Happach-Kasan (FDP) und Bleser (CDU) müssen an den Pranger gestellt werden.
    Viele Grüße
    Marie-Luise Volk

  4. 4

    Die Demo hat ja statt gefunden. Wie war denn das Ergebnis und die Reaktion von H. Seehofer.
    Für Antwort wäre ich dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen

    Maria Berent

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