Melanie v. Orlow, NABU

Zeigen Sie Flagge für unsere Bienen!

Kaum eine Tiergruppe wie die der Stechimmen (<em>Hymenoptera, Aculeata</em>) wird vom Menschen so ambivalent betrachtet - während die “fleissige Honigbiene” geschätzt wird, ist die “häßliche Hornisse” wegen ihrer angeblich tödlichen Stiche gefürchtet. Die “plumpe Hummel” wird gerne im Garten gesehen; die “lästigen Wespen” werden dahingegen mit Gift und Feuer bekämpft.

Doch der Blick in die Tiefe verrät, daß es selbst die beliebte Honigbiene schwer hat - denn sie hat schon lange den Status als Wildtier verloren. Die Varroa-Milbe, ein durch den Menschen weltweit verschleppter Parasit, macht ihr Überleben ohne imkerliche Pflege unmöglich. Doch die Imker werden knapp - zwar wird Honig gerne gegessen (rund 91.000 t werden in Deutschland pro Jahr verzehrt) aber ungern entsprechend bezahlt. Der Verbraucher greift bevorzugt zur preisgünstigen Importware anstatt sich beim Imker vor Ort einzudecken und trägt dazu bei, daß die Imkerei heutzutage eine “brotlose Kunst” geworden ist. Derzeit werden in Deutschland nur noch rund 22.000 t Honig pro Jahr geerntet.

Doch nicht nur der Absatz des “flüssigen Goldes” ist schwer geworden - auch seine Produktion. Denn die moderne Landwirtschaft hat schon lange ihre Unschuld verloren. 1999 waren in Deutschland 1139 verschiedene Pflanzenschutzmittel auf der Basis von 274 Wirkstoffen am Markt erhältlich, 1993 waren es lediglich 887 und 229 Wirkstoffe. 1998 wurden davon rund 39.000 Tonnen auf deutschen Äckern ausgebracht. Die Langzeitfolgen dieses “Feldversuches” der chemischen Industrie sind noch nicht bekannt. Wie am Beispiel von DDT zu sehen, waren diese erst Jahrzehnte später nachzuweisen als der Rückgang in der Greifvogelpopulation jedem Spaziergänger offensichtlich wurde. Das Pestizid Imidacloprid könnte das DDT des 21. Jahrhunderts sein - das in Frankreich beobachtete Bienensterben und der unterschiedlichen Untersuchungsergebnisse der deutschen und französischen Bieneninstitute machen deutlich, das diese Substanz nicht mehr sorglos und unkontrolliert angewendet werden sollte.

Die Gefährlichkeit für Bienen wird heutzutage im Labortest überprüft - unberücksichtigt bleiben dabei jedoch die nahen Verwandten, die Hummeln.

Bisher wurde stillschweigend angenommen, daß die Ergebnisse der Tests an Bienen auch auf andere Blütenbesucher übertragbar seien - doch diese Annahme ist offenbar falsch. Bereits 1996 konnte gezeigt werden, daß bereits die normale Anwendung von einigen als bienenungefährlich eingestuften Pestiziden für Hummeln toxisch waren (Gretenkord, Dissertationsschrift 1996, Universität Bonn).

Bis heute werden diese Ergebnisse ignoriert; die Folgen sind bereits jetzt zu beobachten - von den einst über 30 Hummelarten sind die meisten bereits aus der Landschaft verschwunden. Ein Tribut an Pestizide, fehlende Trachten und Nistgelegenheiten, der den Hummeln bereits einen Platz auf den “Roten Listen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Deutschlands” eingebracht hat. Dazu kommt die maschinelle Bearbeitung wie der Einsatz von Kreiselmähern, der nach Untersuchungen an Weißkleefeldern in der Schweiz rund 9.000 bis 25.000 Bienen pro Hektar vernichtet - das Opfer an Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten ist bis dato unbekannt.

Mit dieser Kampagne wird ein Zeichen gegen eine Industrie gesetzt, die eine rücksichtslose Ertragsoptimierung in der Landwirtschaft zum Ziel hat - und dabei die wertvollsten Mitarbeiter schädigt: die sprichwörtlich fleissigen Bienen, deren Bestäubungsleistung sie zum ökonomisch wertvollsten Nutztier in Deutschland macht. Ein Umdenken zugunsten dieser stillen Mitarbeiter ist erforderlich - bei der Industrie, den Landwirten wie auch beim Verbraucher.

Darum helfen Sie mit und zeigen Sie Flagge für unsere Bienen - damit Sie auch morgen noch Ihren Kindern von den Blumen und den Bienen erzählen können…

 

Dr. Melanie von Orlow
BAG Hymenoptera
Nabu Deutschland e.V.

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Ein Kommentar

  1. 1
    Margret Püttmann 
    Montag, 18. August 2008

    Hallo Melanie
    ich zeige eine grosse Flagge für unsere Bienen in Schleswig -Holstein.
    Liebe Grüße
    Margret aus Basedow

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