F.A.Q.

Ist nicht als Ursache herausgefunden worden, dass die Haftmittel der Beize und die Technik der Saatmaschinen schuld an den Vergiftungen sind?

Das ist die offizielle Begründung zu dem aktuellen Bie  nensterben. Einige Imker beobachten jedoch seit Jahren eine immer wiederkehrende Schwächung der Völker. (”Die kom  men nicht richtig in die Gänge”) Die Flugbienen sterben und es kommt zu einer Entwicklungshemmung, wie sie zuvor nicht da gewesen ist. Das bedeutet, dass die Völker nicht sofort ein  gehen  aber eben geschwächt werden. Wie ein angesehener Bienenwissenschaftler in diesem Zusammenhang sagte: “Der Bien als Superorganismus muss anders betrachtet werden als eine Schachtel voller Kartoffelkäfer”. Allein die sogenannten LD50 Testverfahren bei der Zulassung sind nun gar nicht geeignet, die Toxität auf Bienenvölker zu überprüfen. Hier ist tatsächlich das Zulassungsverfahren selbst zu verbessern. Nebenbei wäre es wünschenswert, dass die Schäden auf Ökosysteme ebenfalls bei der Zulassung über  prüft werden. Ich habe hier aufgrund des Aufrufs zur Demo bereits mehrere Schreiben von Entomologen vorliegen, die einen Rückgang von Schmetterlingen und Ameisen in den Ge  bieten des Bienensterbens verzeichnen. Solche Wildtiere wer  den nicht von Menschen betreut und deren Tod ist leise. 

Halbwertszeiten von Clothianidin

Der Hersteller spricht von 120 Tagen. Hierzu folgende Information: In der Regulatory Note der kanadischen PMRA2 wird eine Halbwertszeit von bis zu 990 Tagen fest  gestellt, die United States Environmental Protection Agency nennt im ‘Pesticide Fact Sheet’[3] eine Halbwertszeit von bis zu 1.155 Tagen. Das New York State Department of Environmmental Conser  vation, Bureau of Pesticides Management[4], stellte an einem Versuchsstandort nach 25 Monaten einen so minimalen Abbau von Clothianidin im Boden fest, dass die Berechnung einer Halbwerts  zeit nicht möglich war. Aus: Manfred Hederer (Präsident des DBIB) zu Clothianidin (PDF) 

Meines Erachtens ergibt sich hier die gleiche Gefahr, wie sie von DDT ausgeht. DDT war ebenfalls ein beliebtes Insektizid  bis die Schäden augenscheinlich wurden. Heute ist DDT auf der ganzen Welt zu finden. Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/DDT#Exposition_des_Menschen 

Ich befürchte, dass sich dieses Szenario auch mit Neonicotinoiden wiederholen kann. Hier ist mei­ nes Erachtens seitens der Zulassungsstelle sicherzustellen, dass dieses nicht geschehen wird. An  hand der Bio Indikatoren Honigbiene ist dieses Jahr deutlich geworden, dass diese Sicherheit durch heutige Zulassungsverfahren nicht gewährleistet ist. 

Clothianidin ist bereits seit Jahren im Einsatz. Hätte da in der Maisblüte & im Pollen durch systemische Wirkung nicht bereits Schäden in der Vergangenheit entstehen müssen?

Geringe Konzentrationen führen eher zu Schwächungen und zur Exposition, so dass sekundäre Er  krankungen greifen können. Eine Vergiftung muss nicht zum sofortigen Tode führen, kann aber das Immunsystem stark beeinträchtigen. 

Rufen Sie auch Maisbauern zur Demo auf?

Es ist richtig,dass hier Lösungen gemeinsam gefunden werden müssen. Von meiner Seite aus gebe ich keinem Bauern die Schuld am Bienensterben, nur weil er einer Weisung des Bundeslandes ge  folgt ist. Ich von meiner Seite aus würde es begrüßen, wenn hier Lösungen zusammen erarbeitet werden könnten. Es ist ja nicht so, dass einzig und allein Clothianidin die Lösung darstellt. Wie sonst sollten biologisch arbeitende Bauern ohne Pestizide Mais anbauen? Alle anderen Lösungen müssen zumindest diskutiert werden. Bauern sind als Produzenten in der Mitverantwortung, was die Lebensmittelsicherheit betrifft. Hiermit rufe ich alle Maisbauern auf, sich an der Demonstration zu beteiligen und von dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eine Revision der Zulassungsverfahren zu fordern. Schließlich kommen die Bauern als Anwender am nächsten mit den Wirkstoffen in Berührung. 

Bayer hat den Imkern eine Entschädigung von 2 Mio. Euro angeboten  ist das zu wenig?

Davon werden Bienen nicht mehr lebendig und die Gefahr, dass sich durch unzureichende Zulas­ sungsverfahren eine solche Katastrophe wiederholt ist damit auch nicht gebannt. Das Risiko, den gesamten Bienenbestand Deutschlands und eventuell das gesamte Ökosystem inklu  sive Menschen, aufs Spiel zu setzen, ist ungleich höher. Wer trägt denn heute den Schaden, den DDT angerichtet hat? Ist es gewährleistet, dass Schäden durch Neonicotinoide im großen Stil eben­ falls so großzügig entschädigt werden? Anders herum gefragt, was spricht gegen eine Überprüfung des aktuellen Zulassungsverfahrens? Die Bio Indikatoren Honigbienen haben hier Lücken in der Zulassung aufgezeigt. Eine oder zwei Löcher in der Mauer die uns schützt sind gestopft worden  aber sollte die Mauer nicht auf weitere Substanzschäden abgeklopft werden? Nach dem Motto: Wenn es eine Lücke gibt  ist da nicht anzu  nehmen, dass weitere vorhanden sind? 

Diese FAQ gibt es hier zum Download: FAQ zur Demo (PDF)

Trackback: Trackback-URL |  Autor: Bernhard

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Ein Kommentar

  1. 1

    Danke für diesen Beitrag.

    Meines Erachtens ist die beste Möglichkeit den Maiswurzelbohrer in Schach zu halten eine gesunde Fruchtfolge einzuhalten. Die Landwirte haben wohl Schwierigkeiten einen vernünftigen Ersatz für den Mais zu finden.

    So möchte ich bei dieser Gelegenheit Werbung in eigener Sache machen: Hanf !!
    Cannabis sativa L. könnte die Lösung des Problems werden.
    Er benötigt keine Pestizide und ist eine hervorragende Pionierpflanze. Ich suche noch 400 ha Anbaufläche für die Dämm- u. Verbundstoffproduktion im südbadischen Raum. Deckungsbeitrag EUR 500,– bis 700,– pro ha je nach Ertrag.
    Herzlich liebe Grüße
    Oliver Haury.

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