Hintergrundinformationen

Honigbienen und ihre Produkte sind Bio-Indikatoren [*1], die die Gesundheit der Umwelt anzeigen. Vor kurzem waren in Baden und in Bayern 11.500 Bienenvölker mit 330 Millionen Einzelbienen von der Vergiftung mit dem Wirkstoff Clothianidin betroffen [*2]

Die Dunkelziffer der toten Wildinsekten, Vögel, Amphibien und anderen Tieren ist unbekannt. 

Nachweislich ist der Wirkstoff Clothianidin die Ursache für diese Umweltkatastrophe [*3]

Clothianidin [*4] gehört zu einer neuen Generation von Insektizi den, den Neonicotinoiden [*5]. Seitdem Neonicotinoide eingesetzt werden, werden Sie verdächtigt, sich negativ auf den gesamten Naturhaushalt auszuwirken. Berufsimker und Hobbyimker beobachteten eine Verzögerung in der Entwicklung der Honigbienenvölker und eine auffallende Schwächung gegenüber Pathogenen wie der Varroamilbe. Bei gleich hohem Milbenbefall brechen die Völker viel schneller zusammen als noch vor Jahren. In Frankreich wurde das dortige Bienensterben bereits in Verbindung mit dem Mittel Imidacloprid gebracht, das ebenfalls ein Neonicotinoid ist. Parallel zu dem Bienensterben in Deutschland war auch ein Bienensterben in Italien [*2] zu verzeichnen. Hier waren ebenfalls Neonicotinoide die Ursache für den Massentod. 

Die Forschungsgruppe Colony Collapse Disorder workgroup (CCD workgroup [*6]) aus den USA hat vor kurzem ihre Ergebnisse zu den Untersuchungen zum Bienensterben in der Imkerzeitschrift American Bee Journal in der Ausgabe 6/2008 vorab veröffentlicht. Die Überschrift lautete “What Have Pesticides Got To Do With It?” (übersetzt: “Was haben Pestizide damit zu tun?” [*7]). Wie der Titel schon vermuten lässt, wurde von den Wissenschaftlern festgestellt, daß Pestizide massiv in die Bienenstöcke gelangen. Vor allem über den Pollen werden die Pestizide eingeschleppt - hier konnten in 108 Pollenproben 46 verschiedene Pestizide festgestellt werden. Die höchste Anzahl von Pestiziden war 17 verschiedene Pestizide in einer einzigen Pollenprobe. Auch das Wachs aus der Nähe des Brutnestes enthielt Pestizide. 

Solche Ergebnisse wurden bereits durch Chauzat und Facon aus Frankreich gefunden [*7]. Dort wurde Imidacloprid in 40 von 81 Proben gefunden. Insgesamt wurden 19 Pestizide gefunden, jedoch ist zu beachten, daß auch nicht nach so vielen Wirkstoffen gesucht wurde, wie bei der CCD workgroup. 

Das aktuelle Bienensterben ist die Spitze des Eisberges. Bisher haben sich die Vergiftungen mit Pestiziden in der Schwächung der Honigbienenvölker geäußert. Die Vorfälle in Baden und Bayern ereigneten sich aufgrund einer Überdosierung. Hier wurde sichtbar, was sich sonst hinter dem stillen Tod versteckt. Die schleichende Vergiftung des Naturhaushaltes offenbart sich hier in dem Bio-Indikator Honigbiene. 

Fakt ist, daß die Honigbienen an dem Neonicotinoid Clothianidin gestorben sind. Damit ist weiter Fakt, daß das aktuelle Zulassungsverfahren für Pestizide den Naturhaushalt nicht schützt und Lücken aufweist. Wäre es anders, wäre es nicht zu diesen Schäden gekommen. Eine oberflächliche Analyse des Hergangs reicht bei weitem nicht aus, um weitere Schäden durch Pestizide zu verhindern. Hier sollte das Verfahren auf weitere Lücken abgeklopft werden. Wo eine Lücke ist, da können noch weitere Lücken sein. 

Durch die Halbwertszeiten (siehe auch: [*4] Manfred Hederer zu Clothianidin) können sich Neonicotinoide wie Clothianidin im Naturhaushalt anreichern. Damit ist die potentielle Gefahr gegeben, daß Neonicotinoide in den Nahrungskreislauf des Menschen gelangen. Eine Gefährdung der Lebensmittelsicherheit ist zu erwarten. In einigen Untersuchungen von Lebensmitteln wurde sowohl das Neonicotinoid Imidacloprid (siehe Studie von Greenpeace [*8]) als auch Clothianidin (siehe Studie aus der Schweiz zum italienischem Salat [*8]) nachgewiesen. Natürlich zusätzlich zu vielen weiteren Pestiziden. 

Es geht also um den Verbraucherschutz, es geht um die Lebensmittelsicherheit, es geht um den Schutz des Naturhaushaltes, es geht um den Schutz der Honigbiene. Es geht um die Zukunft. 

Eine Revision des Zulassungsverfahrens und eine damit verbundende Überprüfung des Einsatzes von Pestiziden ist angesichts des Risikos für Mensch und Natur mehr als angebracht.

Trackback: Trackback-URL |  Autor: Bernhard

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