Bienensterben: Zusammenfassung zur Situation

Donnerstag, 3. Februar 2011 | Autor: Bernhard

Fragen und Antworten zum Bienensterben.

Eine Zusammenfassung.

1. Im Jahr 2008 wurde das massive Bienensterben einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Wie sieht die Lage heute aus? Gab es auch in den Jahren danach ein starkes Bienensterben?

Beim  Thema  Bienenvergiftungen muß  unterschieden  werden  in  letale  Vergiftungen  und subletale Vergiftungen. Im Jahre 2008 war in kurzer Zeit ein Großteil der Bienenvölker am Oberrhein letal vergiftet worden. In diesem Falle ist es natürlich so, daß dem betreuenden Imker die Schäden und die Zusammenhänge offensichtlich sind. Die Bienen liegen tot vor den Bienenbehausungen, kurz zuvor war Mais ausgesät worden.

Ein anderer Fall  ist es, wenn die Vergiftungen  subletal wirken  - also nicht direkt  tödlich, sondern langfristig belastend. Das führt zur körperlichen Schwächung und in vielen Fällen auch zum Tod der Bienen - allerdings zeitversetzt zur eigentlichen Kontamination. Das zu beobachten, beziehungsweise die Zusammenhänge zu sehen, ist sehr viel schwieriger.

Letale Vergiftungen  in  der Größenordnung, was Anzahl  der  toten  Bienenvölker  und  die Größe der betroffenden Region betrifft, wie in 2008, hat es nicht mehr gegeben.

Subletale Vergiftungen gibt es weiterhin wie zuvor - in besorgnis-erregendem Maße. Nicht alle  Imker  stellen  die  Zusammenhänge  her  und (!)  lassen  die  toten  Bienen  im  Labor untersuchen.  Hier  finden  Sie  einige  Untersuchungsergebnisse  und  deren  räumlichen Zuordnung:
http://maps.yourgmap.com/v/c_17w_Bienenvergiftungen.html

Das sind nur Beispiele.

Die offiziell von Seiten der Politik, Imkerverbände und/oder Bieneninstituten genannten Zahlen zu Verlusten  sind  keine Zahlen,  die  für  eine Einschätzung  der  Lage  herangezogen werden können. Die Verluste sind sehr viel höher, was unter anderem darin zu sehen ist, daß der Import  von  Bienenvölkern,  sogenannten  “Kunstschwärmen”  rasant  gestiegen  ist.  Die Bienenvölker  werden  aus  Südeuropa,  Australien  und  Neuseeland  nach  Deutschland importiert, um die Verluste auszugleichen.
Warum die offiziellen Zahlen nicht stimmen, hat  im Wesentlichen zwei Gründe. Der erste Grund ist, daß unter den Imkern die Auffassung herrscht, daß Verluste von der Dummheit des  betreffenden  Imkers  herrühren.  Vor  allem  was  die  Behandlung  gegen  die  Varroa angeht, wird den  Imkern mit Verlusten vorgeworfen, sie “hätten das nicht  im Griff”. Diese Auffassung  ist  nicht  aus  dem  Himmel  gefallen,  sondern  meines  Erachtens  von  den Vertretern  der  deutschen  Bieneninstitute  unter  den  Imkern  gestreut  worden.  Die  Politik schlägt in die gleiche Kerbe. In der Vergangenheit war es daher so, daß niemand sich wagte, Verluste zu melden. Es war sicher, daß derjenige von den anderen Imkern runtergemacht wurde.
Der zweite Grund ist der Ausgleich durch Kunstschwärme und Ableger. Gemeldet werden bei der Erhebung der Bienenvölkerzahlen nur die produktiven Bienenvölker. Also ein Imker kann 10 Produktiv-Völker besitzen und 10 Jungvölker, gemeldet werden dann in der Regel 10 Völker.

Ein Bienenvolk läßt sich teilen, so daß wie bei den Pflanzen sogenannte Ableger gemacht werden können. Es  ist heute  in der Praxis so, daß  jedes Jahr sehr viele Ableger gebildet werden. Also aus einem Volk werden bis  zu drei Völkern. Theoretisch müßte  sich  daher jedes Jahr die Völkerzahl verdreifachen lassen.

Es spricht ganze Bände, wenn das Gegenteil der Fall ist und die gemeldeten Völkerzahlen in  den  letzten  zehn  Jahren  drastisch  sinken.  Die  Imker  können  80%  ihrer  produktiven Völker  verlieren,  gleichen  das mit Ablegern  oder  Zukauf  aus  -  und melden  0  Verluste.Teilweise auch um das Gesicht zu wahren.

Und wenn dann noch die Importe von Bienenvölkern aus Übersee rasant ansteigen, dann läßt  sich  leicht  erahnen,  daß  die  offiziell  gemeldeten  Verluste  von  15-30%  keine realistischen  Werte  sind.  Zu  den  Importen  habe  ich  keine  verlässlichen  Zahlen.  Ich beobachte  nur,  daß  die Angebote  dazu  vermehrt  zu  finden  sind  und  laut Aussagen  der Importeure selbst brummt das Geschäft. Das beobachten auch die Imkerverbände so und geben entsprechende Warnungen heraus, weil das Importieren von Bienenvölkern die Gefahr mit sich bringt, neue Krankheiten einzuschleppen, die es bei uns noch nicht gibt.

Zu  beachten  ist,  daß  Importe  teilweise  verdeckt  laufen, weil  die  importierten Völker  erst hier  aufgestellt  werden,  zu  einem  Vollvolk  entwickelt  und  dann  geteilt  als  “Ableger  aus Deutschland” verkauft werden. Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr hoch.
2. Was sind Ihrer Erfahrung nach die Gründe für das massive Bienensterben?

Die von einigen Imkervertretern, Politikern und Wissenschaftlern gleichermaßen verkündete Botschaft,  daß  das  Bienensterben  “multifaktorielle”  Ursachen  hat,  zeugt  nur  von  der Inkompetenz  mit  komplexen  Vorgängen  umzugehen.  Natürlich  herrscht  in  biologischen Systemen eine hohe Komplexität - doch die Art der Beziehungen der einzelnen Elemente des Systems sind überschaubar.

Es wird Sie überraschen, wenn  ich  Ihnen sage, daß der Grund  für das heutige massive Bienensterben  etwa  12.000  Jahre  zurück  in  der  Geschichte  des  Menschen  liegt.  Der Wissenschaftler und Autor Jared Diamond beschreibt den Beginn der Landwirtschaft als”The Worst Mistake in the History of the Human Race”.
Siehe:
http://www.scribd.com/doc/2100251/Jared-Diamond-The-Worst-Mistake-in-the-History-of-the-Human-Race

Nun könnte man mir vorwerfen, daß dies weit hergeholt oder eher philosophisch ist - und in der Tat wird mir das auch vorgeworfen. Ich habe aber berechtigte Gründe  für diese Aussage, die  ich  lang und breit recherchiert habe und  im Folgenden wenigstens grob umreißen will.

Es geht um die Behandlung des Bodens.

Mit  der  Einführung  der  Landwirtschaft  durch  die  neolithische  Revolution,  begannen  die Menschen vermehrt Getreide anzubauen und dazu haben die Menschen begonnen, den Boden zu bearbeiten - so wie sie es für richtig hielten.

Die Art der Bodenbearbeitung durch Umpflügen und Hacken  ist eine Technik, die auf der Brandrodung  von Wäldern  gründet.  Dadurch  konnte  der  vom Wald  aufgebaute  Humus genutzt werden, der Basis für jede Art von Fruchtbarkeit ist.
Humus  ist heute ein weit und breit verwendeter Begriff, doch die meisten Aussagen zum Humus  sind  samt  und  sonders  falsch.  Auch  die  von  Experten  und  Beratern  der Landwirtschaftskammern. Die wenigsten Menschen haben auch nur eine Ahnung, worum es  beim  Humus  tatsächlich  geht.  Bezeichnend  dafür  ist  auch  der  von  den Landwirtschaftskammern genutzte Humusindex, der so ziemlich alles aussagt, aber nichts über den Humus.

Im Wesentlichen verläuft die Bildung von Erdreich so: 1) Gestein verwittert physikalisch. 2) Steinbewohnende  Lebewesen,  sogenannte  Lithobionten  besiedeln  den  Stein  und schließen ihn biochemisch auf. 3) der aufgeschlossene Stein bietet eine große Oberfläche zur  Besiedelung  weiteren  Lebens.  Die  Oberfläche verzehnfacht  sich.  4)  Durch Porenbildung  entstehen  erste  organische  Verbindungen,  da  die  Poren eine  Art  Zelle bilden,  die  die  physikalischen  und  chemischen  Voraussetzungen  für  die  Bildung organischer  Substanzen  bietet.  5)  Photosynthetisierende  Bakterien  und  Pflanzen  bauen weitere  organische  Verbindungen  auf.  6)  Weitere  Lebewesen  ernähren  sich  von  den Photosyntheseerzeugnissen. 7) Die Lebewesen sterben ab und werden zersetzt.

Achtung,  und  jetzt  ist  es  wichtig  zu  verstehen,  wie  es  weiter  geht.  In  einem naturbelassenen Boden geschieht nun das Folgende. Dort werden die Lebewesen biologisch aufgeschlossen, was bedeutet, daß die organischen Verbindungen nicht in mineralische  Verbindungen  zersetzt  werden,  sondern  (!)  in  organische  Makromoleküle. Also nicht  vollständig  zerstört.  Diese  Bruchstücke  werden  nun  von  aufbauenden(!) Mikroben aktiv eingelagert(!) und  später  weiterverwendet!  Auch  Pflanzen können  sich  über  die  Endocytose  von  diesen  Makromolekülen  ernähren.  Diese organischen Makromoleküle sind wichtig, weil essentielle Stoffe (!) daraus entstehen - die lebenswichtig für Pflanze, Mensch und Tier sind.

Die  biologische  Aufschließung  ist  ein  biologischer  Prozeß  und  wie  alle  biologischen Prozesse benötigt dieser bestimmte Voraussetzungen, was pH, Temperatur, Feuchte usw. betrifft.  Und  was  biologische  Prozesse  noch  benötigen,  sind  vernetzte  Aktionen  von Lebensgemeinschaften. Gerade was die Arbeit der Bodenlebewesen betrifft. Hier arbeitet ein Lebewesen für das andere und bereitet den Weg vor.

Mit  dem  Beginn  der  Bodenbearbeitung  durch  den  Menschen  wurden  diese  Prozesse gestört.  Durch  das  Umpflügen,  Wenden  und  Hacken  werden  die  Bewurzelung  und Pilzgeflechte  des  Bodens  zerstört.  Lebensnetzwerke  im  Boden  benötigen  aber  genau diese Bewurzelung. Von den Blüten weiß fast jeder Mensch, daß sie Nektar abgeben - bei den Wurzeln weiß kaum  jemand, daß diese auch Zucker/Nektar ausscheiden und so mit dem Photosyntheseprodukt Zucker das Bodenleben nährt. Im Gegenzug erhält die Pflanze von den Mikroben wichtige Nährstoffe.

Solange es Wald und/oder bewachsene Flächen gab, zogen die Menschen weiter, wenn das  Land  nach  ein  paar  Jahren  bis  Jahrzehnte  unfruchtbar  wurde.  Die  brachliegenden Flächen konnten sich wieder erholen.

Da  die  Menschheit  sich  um  17./18.  Jahrhundert  herum  auf  dem  ganzen  Planeten ausbreitete und begann, auf der ganzen Welt den Boden zu bearbeiten, dauerte es nicht lang, bis die ersten großflächigen Probleme mit der Ernährung auftraten. Den Menschen war offensichtlich, daß dem Boden die Fruchtbarkeit schwand und so versuchten sie, die Fruchtbarkeit  durch Düngung mit Tiermist  zu  ersetzen. Die Pflanzen wuchsen  daraufhin wieder kräftig  - wie  ich gleich ausführen werde,  ist das aber nur dem Augenschein nach so!

Mit  dem  Anwachsen  der  Weltbevölkerung  nahmen  diese  Probleme  drastisch  zu.  Der Chemiker Justus von Liebig konnte mit seiner chemischen Düngung des Bodens wieder erste Hilfe leisten, so daß die mengenmäßige Produktion von äußerlich gut aussehenden Landwirtschaftsprodukten, hier vor allem Getreide, wieder angekurbelt wurde. Mit der Industriellen Revolution der Landwirtschaft, die um 1900 herum begann, wurde die Bodenbearbeitung  immer  weiter  und  schneller  praktiziert  -  die  Auswirkungen  der Bodenbearbeitung  verschärften  sich  und münden  in  das  ökologische Desaster,  das wir heute erleben.

Die Biene wird zu Recht als Bio-Indikator bezeichnet - sie ist Anzeiger für die Gesundheit des Naturhaushaltes. Da der gesamte Naturhaushalt, alles Leben, auf den Boden beruht, ist die Honigbiene damit auch Anzeiger für die Bodengesundheit.

Die  geschichtlichen  Zusammenhänge  zwischen  Boden  und Menschheit,  hat  die Autorin Annie Francé-Harrar aufgearbeitet. Wenn es Sie  interessiert  - das Buch können Sie hier online lesen:
http://france-buch.de/

Die heutige Bodenbearbeitung beruht auf der Annahme, daß sich die Kulturpflanzen, vor allem Getreide, von Mineralien ernähren  (heterotroph). Deswegen wurde und wird  in der Landwirtschaft auch mit Mineralsalzen gedüngt (NPK-Düngung).

Das  ist auch zu einem Teil so. Doch die Pflanze  ist kein Lebewesen, das alleine  für sich lebt. In Wirklichkeit lebt jedes (!) Lebewesen in einem Netzwerk aus Lebewesen. So auch wir Menschen. Ein Mensch  besitzt  etwa  10 Billionen menschliche Zellen  und  100-1.000 mikrobielle  Zellen.  Das  sind  Milben,  Nematoden,  Bakterien,  Pilze  und  viele  andere Lebewesen,  die  auf  und  im Menschen  leben  -  und  ohne  die wir  nicht  leben  können.  In einem  Biofilm  lebende  Bakterien  im  Darm  des  Menschen  sind  die  Produzenten  der essentiellen Stoffe Vitamin B12 und Vitamin K - die wir ohne diese Lebewesen nicht selbst produzieren können und ohne die wir nicht  leben können. Denn unsere Zellen benötigen Bausteine  zur  Herstellung  von  Antikörpern,  um  das  Immunsystem  auf  Zellebene aufzustellen.  Diese  Bausteine  werden  von  den  Mikroben  geliefert.  Siehe:  “Wie  Zellen funktionieren: Wirtschaft und Produktion in der molekularen Welt.”, ISBN: 978-3827424532

So ist es auch bei der Pflanze. Die feinen Haarwurzeln einer Pflanze sind ummantelt von einem  feinen  Schleim  oder  Biofilm  mit  nützlichen  Mikroben.  Die  Pflanze  füttert  diese Mikroben mit dem Photosyntheseprodukt Zucker und diese schließen dafür mineralische Bestandteile für die Pflanze auf. Eine Art Tauschgeschäft.

Nun  gibt  es Mikroben  im  Boden,  die  abgestorbene  Lebewesen  biologisch  aufschließen und  organische Makromoleküle  in  Form  von Humus  bereitstellen. Diese Makromoleküle sind die Grundlage dafür, daß Mikroben und Pflanzen organische essentielle Stoffe und Enzyme herstellen. Siehe:
“Microorganisms  in Soils: Roles  in Genesis and Functions”  von Ajit Varma und Francois Buscot, ISBN: 978-3642060717

Diese wiederum sind notwendig, um  langfristige Mangelerkrankungen zu vermeiden und ein  Funktionieren  des  Immunsystems  zu  gewährleisten. Humus  ist  damit  die Grundlage jedes höheren Lebens und Grundlage für eine Kerngesundheit.

Durch die Bodenbearbeitung jedoch wird die Humusbildung zerstört und alle organischen Stoffe mineralisiert.

So  können  Pflanzen  zwar  wachsen,  sie  sind  aber  leer  und  inhaltslos,  was  essentielle Stoffe  betrifft.  Das  führt  dazu,  daß  die  Pflanzen  krank  werden  -  und  alle  Lebewesen inklusive des Menschen, die sich davon ernähren. Bitte lesen Sie das Buch: “Nutrition and Physical  Degeneration.”  von  Weston  Andrew  Price,  ISBN:  978-0879838164,  der  das eindrucksvoll  dokumentiert  und  belegt  hat,  was  den  Inhalt  von  Lebensmitteln  aus  der modernen Landwirtschaft betrifft. Eine interessante Ergänzung dazu ist die Literatur: “Das  Getreide  -  Zweischneidiges  Schwert  der  Menschheit.”  von  Loren  Cordain,  ISBN:978-3929002355

Weil die Ursache nicht erkannt worden  ist  (obwohl die Erkenntnisse seit 1906 bestehen! Siehe:  Raoul  Heinrich  Francé:  Das  Edaphon.  [Begründer  der  Bodenbiologie]),  hat man sich darauf verlegt, die Krankheiten zu bekämpfen - mit Pflanzenschutzmitteln.

Die  Pflanzenschutzmittel  sind  jedoch  den  Bodenlebewesen  nicht  zuträglich,  vor  allem verhindern  sie  den  Aufbau  von  Humus.  Der  Ackerboden  mineralisiert  die  organischen Bestandteile  unter  großem Verlust  von Humus  und  verliert Struktur  und Halt. Die Äcker verwüsten wortwörtlich!

Verschlimmert  hat  sich  die  Lage  durch  die  “Verbesserung”  der  Pflanzenschutzmittel, indem sie heute systematisch wirken, also durch die Wurzeln aufgenommen werden und in die gesamte Pflanze  “eingebaut” werden. Die  systematische Wirkung beschränkt  sich selbstverständlich nicht auf das Lebewesen Pflanze sondern birgt das Potential bei allen anderen Lebewesen genauso systemisch unterschwellig zu wirken.

Die Bodenbearbeitung hat den gesamten Naturhaushalt in den ökologischen Ruin geführt und den Humus als Grundlage des Lebens und der Gesundheit zerstört. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und insbesondere  der  Einsatz  von  systemischen Pflanzenschutzmitteln  ist  jetzt der Tropfen, der das gesamte Fass zum Überlaufen bringt und den Naturhaushalt kollabieren läßt.
http://www.imkerdemo.de/2010/02/spritzmittel-halbieren-artenvielfalt/

Es  ist  daher  folgerichtig  und  logisch,  daß  die  Gesundheit  der  Bienen  allein  durch  den Mangel  an  essentiellen Stoffen  herabgesetzt wird. Die Gesundheit wird  zusätzlich  noch durch Insektizide geschwächt, da Honigbienen als Insekten nunmal anfällig dafür sind.

Nicht  nur  Insektizide machen  den Honigbienen  zu  schaffen. Auch Fungizide,  also MIttel gegen  Pilze.  Wie  ist  das  möglich?  Auch  die  Honigbienen  leben  als  Lebewesen  nicht alleine  für sich. Vielmehr zeigt sich, daß ein Bienenstock mit einer Vielzahl von Mikroben besiedelt  ist.  Martha  Gilliam  hat  in  ihren  Studien  8.000  verschiedene  Mikrobenarten identifiziert.  Einige  davon  sind  Pilze  wie  der  Aspergillus  oder  Penicillium.  Die  Bienen tragen Pollen in den Stock und stampfen den Pollen vermischt mit Nektar in die Zellen, wo verschiedene Durchläufe der Bearbeitung durch Mikroben stattfinden. Vor allem Enzyme, Pilze  und  Milchsäurebaktieren.  Die  Pilze  sind  für  die  Produktion  von  Vitamin  K verantwortlich und Bienen haben keine einzige andere Quelle für dieses wichtige Vitamin.

Wenn Fungizide die Arbeit der Pilze stört, stört es den Vitamin K-Haushalt der Bienen. Das wiederum senkt das Immunsystem und erhöht die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten.

Das Disaster ist also komplett.
http://www.imkerdemo.de/2010/12/das-nahende-disaster-bucherscheinung/

3. Wie verhalten sich die politischen Entscheidungsträger in dieser Sache?

Die  politischen  Entscheidungsträger,  namentlich  Frau  Aigner und ihr Vorgänger Herr Seehofer,  handeln  im  Sinne  der Industrie, sowohl der chemischen als auch der  landwirtschaftlichen  Industrie. Das  ist der
Arbeit  unzähliger  Lobbyisten  geschuldet,  die  zwar  die Politiker  nicht  kaufen,  aber  durch persönliche Kontakte beeinflussen, salopp gesagt “bequatschen” und etwas diplomatischer ausgedrückt “beraten”.

Die meisten  Imker haben schon  früh erkannt, daß das Problem nicht bei den Landwirten zu  suchen  ist  und  auch  nicht  beim Hersteller  der Pflanzenschutzmittel. Natürlich  könnte der  Hersteller  sich  an  dem  Verfahren  “cradle  to  cradle”  nach  Michael  Braungart orientieren. Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=O7FGfI8Y-Fw

Auch  wirtschaftlich  wäre  das  cradle-to-cradle  Verfahren  für  die  Chemieindustrie interessant  - bisher zeigen sich aber deutsche Unternehmen und deutsche Behörden als äußerst  dumm.  Entschuldigen  Sie  die  harten Worte,  aber  anders  als  dumm  ist  solches Handeln nicht zu bezeichnen, wenn solche Möglichkeiten von vorne herein ausgeschlagen werden. Die Niederländer sind da viel pfiffiger und betreiben cradle-to-cradle organisiert. Obwohl die Idee dazu aus Deutschland stammt, wird sie wie so oft erst exportiert - um dann mit einer Verzögerung re-importiert zu werden. Die Chance, die Rolle des Pioniers einzunehmen, wird vertan.

Die  Imker  haben  also  erkannt,  daß  es  vor  allem  der  Verbraucherschutz  und  die Lebensmittelsicherheit sind, die dafür Sorge  tragen zu haben, den Naturhaushalt und den Verbraucher zu schützen.

Deswegen  haben  wir  bereits  2008,  als  die  Behörden,  namentlich  das  Bundesamt  für Verbraucherschutz  und  Lebensmittelsicherheit  (BVL),  nach  dem  großen  Bienensterben das verantwortliche Pestizid wieder zur Anwendung freigab, vor dem BVL demonstriert. Das  BVL  zeigte  sich  zunächst  überrascht,  daß  die  Imker  vor  ihrer  Haustüre demonstrierten.  Doch  die Gesprächsbereitschaft  war  vorhanden.  Telefonate  und Schriftverkehr erfolgte - durchweg konstruktiv.

Vertreter von Imkern, nicht aus Verbänden, sondern  “freie”  Imker,  darunter  meine  Person,  wurden  zu  einem  Gespräch  nach Braunschweig eingeladen. (Nach einer zweiten Demo in Berlin allerdings).

Dieses Gespräch wurde kurzerhand abgesagt, obwohl wir nur Tage zuvor die Einladung schriftlich erhielten. Das BMELV  ist allen Anschein nach eingeschritten und hat dem BVL die  Kommunikation  mit  uns  freien  Imkern  untersagt.  E-Mails  wurden  nicht  mehr beantwortet, die Telefonate liefen ins Leere.

Stattdessen  wurde  eine  Parallelveranstaltung  beim  BMELV  durchgeführt,  bei  dem  nur Vertreter der Imkerverbände eingeladen wurden (nicht die Opfer selbst, wohlwissend.) Seither werden Anstrengungen  von Frau Aigner  unternommen,  die Zulassungsverfahren zu  “entbürokratisieren”  und  zu  vereinfachen.  Angeblich,  um  eine  Forderung  der  EU umzusetzen, doch in meinen Augen ist das eine müde Verlagerung der Verantwortung.

Wie weiter  oben  schon  dargelegt,  gehe  ich  nicht  davon  aus,  daß  Frau Aigner  und  das BMELV  “gekauft”  sind  von der  Industrie.  Ich gehe davon aus, daß die  Industrie hier  vor allem Lobbyismus betreibt und durch persönliche Kontakte erheblichen Einfluß nimmt.

Auch im Bundestag ist “man” vertreten:
Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e.V. (FNL)
http://www.bundestag.de/dokumente/parlamentsarchiv/sachgeb/lobbyliste/lobbylisteaktuell.pdf

Zur FNL:
http://www.fnl.de
…der Förderverein mit folgenden Mitgliedern:
http://fnl.de/fnl/organisation.html

Zum Beispiel:
* BASF SE, Ludwigshafen
* Bayer CropScience Deutschland GmbH, Langenfeld
* Dow Agroscience GmbH, München
* DU Pont des Nemours GmbH, Neu-Isenburg
* Monsanto Agrar Deutschland GmbH, Düsseldorf
* Syngenta Agro GmbH, Frankfurt
* Verband der Chemischen Industrie e.V., Frankfurt
*…etc.

Siehe auch:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,741927,00.html

Die  Parteien,  insbesondere  die  FDP,  üben  sich  darin,  die  Belange  der  Industrie  zu verteidigen und die Ursachen zu vertuschen. Als oberste Lobbyistin der Gentechnik- und Chemieindustrie  hat  sich  Frau  Happach-Kassan  der  FDP  hervorgetan.  Sie  tritt auf Veranstaltungen der  Imker auf und  ist Wortführerin  im Bundestag bei Bienenthemen. Die FDP ist eine kleine aber einflußreiche Partei und daher geeignet für Lobbyarbeit.
Siehe auch:
http://www.imkerdemo.de/2008/10/offener-brief-an-den-fdp-politiker-edmund-geisen/

Das ist im übrigen auch auf europäischer Ebene so:

Akkreditierte Interessenvertreter bei der EU von Bayer. Mit Zugang zu den Gebäuden des
Europäischen Parlaments.
http://www.europarl.europa.eu/parliament/expert/lobbyAlphaOrderByOrg/search.do?language=DE&name=Bayer*

BASF:
http://www.europarl.europa.eu/parliament/expert/lobbyAlphaOrderByOrg/search.do?language=DE&name=BASF*

Syngenta:
http://www.europarl.europa.eu/parliament/expert/lobbyAlphaOrderByOrg/search.do?language=DE&name=SYNGENTA*

Wie  Sie  sehen,  werden  die  Politiker  von  allen  Seiten  “beraten”  und  bequatscht. Entsprechend  entscheiden  die  Politiker  auch  -  zum  völligen Unverständnis der Bevölkerung und der Opfer.

4. Es scheint, dass Insektizide zumindest mitverantwortlich sind für das Sterben. Gibt es politische Bestrebungen diese Stoffe zu verbieten? Falls nein, wie wird die Ablehnung begründet?

Es  gibt  keine  ernsthaften  politischen  Bestrebungen,  diese  Stoffe  im  Besonderen  zu verbieten. Selbst der Stoff, der für das große Bienensterben 2008 verantwortlich ist, wurde nur kurzfristig  (einige Wochen) suspendiert  - um pünktlich zur Aussaat des Raps wieder freigegeben zu werden. Und das, obwohl diese Zeit niemals ausgereicht haben kann, um neue  Erkenntnisse  zu  gewinnen.  Hier  hat  das  BVL  dem  Druck  der  Industrie  und Landwirtschaft  nachgegeben,  die  Beize  wieder  zuzulassen.  So  ist  Clothianidin  bis  zum
heutigen  Tage  in Maiskulturen  nicht  erlaubt. Die  Zulassung wurde  aber  nicht  entzogen, sondern nur ruhen gelassen. (!) In  Kartoffeln,  Weizen,  Raps,  Zuckerrüben  und  vielen  anderen  Kulturen  (auch  im
Hausgarten oder im Hundeflohhalsband) sind Neonicotinoide weiterhin erlaubt und massiv im Einsatz. Das  führt auch zu weiteren nachgewiesenen Vergiftungen, wie hier zu sehen ist:
http://maps.yourgmap.com/v/c_17w_Bienenvergiftungen.html

Sogar  Vergiftungen  in  für  Bienen  exotischen  Kulturen wie  Spargel  sind  dabei, wo  auch Neonicotinoide eingesetzt werden.

Von  politischen  Bestrebungen,  sich  überhaupt  mit  systemischen  Pflanzenschutzmitteln detailliert auseinanderzusetzen, kann nicht mal ein Ansatz gefunden werden. Und das  ist angesichts  der Bestrebungen  der  Industrie,  diese  Mittel  weiter  auszubauen,  eine ernstzunehmende  Gefährdung.  Denn  die  Firma  Bayer  als  Beispiel,  beabsichtigt  laut Aktionärsbericht  die  Entwicklung  dutzender  neuer  systemischer  Insektizide  in  den nächsten fünf Jahren. Als Beispiel sei hier das Produkt Movento genannt.

Die  Begründungen,  weswegen  sich  die  Politik  und  die  Behörden  sich  damit  nicht auseinandersetzen  wollen,  sind mehr  als  fadenscheinig.  Das  Ereignis  in  2008 mit  dem großen  Bienensterben  wird  als  einmaliges  Ereignis  hingestellt  und  die  Schuld  wird  der unsachgemäßen  Ausbringung  gegeben.  Es  hätte  halt  nicht  so  stauben  dürfen  bei  der Aussaat.  Nun  sind  wir  einige  Jahre  weiter  und  in  Österreich  hat  man  verbesserte Sähmaschinen im Einsatz beim Mais, die nicht so stauben (andere Drucklufttechnik).

Die  Ergebnisse  sind,  daß  die  Imker  in  Österreich  massive  Verluste  erleiden,  die  im Zusammenhang mit der Maisaussaat stehen  - obwohl die Ausbringung optimiert worden ist.

Zitat: “Nach der Maisaussaat 2010 gibt es bereits wieder Bienenschäden, vor allem in der Steiermark und  in Oberösterreich. Bereits das dritte Jahr  in Folge  treten die Schäden auf,  trotz  “risikomindernder  Auflagen”  durch  die  Zulassungsbehörde,  die  offensichtlich Bienenschäden nicht verhindern können. Bereits 2008 waren mehr als 3.500 Bienenvölker betroffen.  …Angesichts  der  neuerlichen  Bienenschäden  fordert  Biene  Österreich  zum Schutz  der  Honigbienen  und  der  anderen  Bestäuberinsekten  ein  Verbot  der
Saatgutbeizung mit Neonicotinoiden.”
http://www.biene-oesterreich.at/index.php?id=2500%2C1128424%2C%2C
http://www.dafne.at/dafne_plus_homepage/index.php?section=dafneplus&content=result&come_from=&&search_fields[offer_number]=100472&search_fields[title_ger]=&search_fields[research_objective]=&search_fields[beauftragungsjahr]=&search_fields[antragsteller]=&search_fields[projektleiter]=&project_id=2909

Die  Verluste  finden  nun  weiter  subletal  statt,  also  durch  eine  chronische  Vergiftung, schleichend und beendet durch Krankheiten. Dabei wird den Krankheiten die Schuld in die Schuhe geschoben.

Hier  spielt  vor  allem  das  Deutsche  Bienenmonitoring  eine  große  Rolle  bei  der Argumentation.
Das Deutsche  Bienenmonitoring wurde wegen  der  großen  Verluste  schon  vor  2008  ins Leben gerufen. Bayer, BASF und Syngenta und einige andere sind Projektmitglieder. Die  Ergebnisse  des  deutschen  Bienenmonitorings  “als  größtes  Bienenmonitoring  in Europa/Deutschland”  wird  von  Bayer  und  Co.  an  ungefähr  jeder  möglichen  Stelle  zur Argumentation  verwendet. Das auch gegenüber Entscheidungsträgern  in der Politik und bei  den  Behörden.  Und  das  nicht  nur  in  Deutschland,  sondern  weltweit. Wenn  solche Firmen  im Ausland  die  Zulassungen  für  ihre  Produkte  beantragen,  verweisen  sie  unter anderem  auch  auf  das  Deutsche  Bienenmonitoring.  Sogar  Monsanto  hat  bei  der Beantragung einer Zulassung für GVOs das Deutsche Bienenmonitoring angeführt. Auch  in  der Welt  der Wissenschaft  verbreiten  fleißige  Lobbyisten  dieser  Konzerne  die “Ergebnisse”  des  Deutschen  Bienenmonitorings  und  bilden  daraus  Schlagwörter.  Es  ist interessant,  daß  auf  globaler  Ebene  zu  beobachten.  Wenn  Politiker  in  England, Deutschland,  Frankreich  und  den  USA  gleichzeitig  damit  argumentieren,  daß  die Hobbyimker das Problem sind, dann stimmt das schon sehr nachdenklich und weist auf eine  konzertierte  Aktion  hin.  Denn  das,  was  Herr  Maske  (Präsident  des  Deutschen Imkerbundes)  da  zu  den  hohen  Verlusten  bei  Hobbyimkern  “im  Gegensatz  zu  den wissenschaftlich betreuten Imkern” ausgesagt hat, wurde sinngemäß vom Präsidenten des englischen BBKA bereits in den vergangenen Wochen ausgesagt. Und in den USA gab es diese Stimmen auch.

Das  liegt  weniger  daran,  daß  die  Konzerne  auf  Einkaufstour  gegangen  sind  und  die Präsidenten  bestochen  haben,  nein  -  es  liegt  an  der  Desinformation  mit  angeblich “wissenschaftlichen” Fakten.

Eine Quelle solcher “Fakten” ist bisher das Deutsche Bienenmonitoring gewesen.

Das Bienenmonitoring wurde immer von den Imkern angegriffen, weil Bayer und Co. sich daran beteiligten und es regelrecht mißbrauchten. Es gab des Öfteren Jahresberichte des Monitorings  ohne  Autorenangaben  und  anderen  wichtigen  Angaben,  die  für  die Nachvollziehbarkeit  essentiell  sind,  weswegen  die  Wissenschaftlichkeit  des  Projektes angezweifelt wurde.
Schließlich, nach Jahren, haben sich die beteiligten Wissenschaftler hingesetzt und eine Veröffentlichung in dem wissenschaftlichen Journal Apidologie gemacht. Wenn Wissenschaftler in einem wissenschaftlichen Journal eine Veröffentlichung machen, dann  ist es üblich, daß andere Wissenschaftler da noch mal gegenlesen. Wie schon von anderen  hier  geschrieben,  entbehrt  dieser  Artikel  in  der  Apidologie  jedoch    dem allgemeinen wissenschaftlichen Anspruch in einigen Punkten.

Und es  ist offensichtlich, daß hier Positionen und Stellungen genutzt worden sind, damit dieser Artikel trotzdem erscheint. Zwei der Autor(inn)en sitzen  im  “Editorial Board”, zwei weitere  im  “International Scientific Board” von “Apidologie”.
http://www.apidologie.org/index.php?option=com_content&view=article&id=96&Itemid=101&lang=de

Das wäre  sonst  nicht  so  gewesen,  denn  jedes  Journal  prüft  die  Veröffentlichungen  auf grundlegende Wissenschaftlichkeit  und Nachvollziehbarkeit. Und  jedes  Journal muß  um seinen Ruf fürchten, wenn es wissenschaftlichen Blödsinn veröffentlicht. Diese Prüfung durch das  Journal und Wissenschaftlerkollegen hat  zur Folge, daß wenn ein Artikel veröffentlicht wird, dieser allgemein als überprüft und gültig angesehen wird. So  eine  Veröffentlichung  in  einem  wissenschaftlichen  Journal  hat  daher  einen  ganz anderen Stellenwert als ein  “Jahresbericht DeBiMo”. Denn  jeder andere Wissenschaftler kann  nun  auf  diesen Artikel  referenzieren. Und  das wird  geschehen,  vor  allem  von  den Konzernwissenschaftlern.Auf diese Veröffentlichung hin hagelte es berechtigte Kritik:
http://www.imkerdemo.de/2011/01/deutsches-bienenmonitoring-ein-review/

Auch in anderen Ländern versuchen die Hersteller massiv die Imker zu beeinflussen. In England werfen die  Imker  ihrem Verband BBKA vor, daß dieser  jahrelang Spenden  in Höhe  von  insgesamt  175.000  £  von  Bayer,  BASF,  Syngenta  und  der  belgischen  Firma Belchim  angenommen  hat.  Im  Gegenzug  durften  diese  Hersteller  auf  die  insektiziden Produkte  einen  Aufkleber  mit  dem  Logo  des  BBKA  draufkleben:  “Dieses  Produkt  ist bienensicher. BBKA”. (sinngemäß für “bee friendly” / “bee safe”)

Dabei handelte es sich um synthetische Pyrethroide, z. B. Cypermethrin und Deltamethrin,
die als höchst bienentoxisch einzustufen sind.

Der Kanadische  Imkerverband Canadian Honey Council  nimmt  eine Spende  von Bayer entgegen, wobei Bayer sich für die gute Zusammenarbeit bedankt. 300.000 Bienenvölker, das ist die Hälfte der Völker in Kanada, stehen dabei im Dienst von Bayer und Monsanto. Sie bestäuben 12,6 Millionen Tonnen Raps zur Saatgutgewinnung. Weitere 80.000 Völker bestäuben spezielle Hybridrapssorten.
http://1.1.1.2/bmi/sfapiculture.ca/wp-content/uploads/2009/11/CHC-Bayer.png

Um die Frage zu beantworten: Es gibt keinerlei politische Bestrebungen, an der Situation etwas  zu  ändern  und  das  drohende  Desaster  zu  verhindern.  Im  Gegenteil  deckelt  die Politik  jeden Versuch. Begründet wird das damit, daß die  Imker  “selbst schuld seien und die Varroa nicht  in den Griff bekommen”. Als Beleg wird das Deutsche Bienenmonitoring angeführt.

Die Situation ist, daß Imker, die zehn, zwanzig, dreißig Jahre lang erfolgreich imkerten und in  den  letzten  zehn  Jahre  trotz  Varroa  keine  Verluste  hatten,  daß  selbst  diese  fachlich versierten  Imker heute zum Teil erhebliche Völkerverluste beklagen. Da das Artensterben sowohl der Pflanzen als auch der Bestäubungsinsekten zu gleicher Zeit enorme Ausmaße annimmt, ist das ein Zeichen für einen Niedergang und Kollaps des Naturhaushaltes - und weniger die Unfähigkeit einzelner Imker.
Siehe auch:
http://www.imkerdemo.de/2008/09/heute-im-bundestag/

5. Auch das Insektizid Neonicotinoid scheint eine wesentliche Rolle zu spielen. Ist dieser Stoff in Deutschland noch erlaubt? Wird er noch verwendet?

Diese Frage habe ich weiter oben schon beantwortet. Bei den Neonicotinoiden handelt es sich um eine Gruppenbezeichnung von Stoffen. Das Insektizid aus 2008 heißt Clothianidin und  ist  weitläufig  im  Einsatz.  Zusammen  mit  dem  Insektizid  Imidacloprid  ist  es  das umsatzstärkste Insektizid weltweit (!).Interessant  ist  in  dem  Zusammenhang,  daß  es  gesetzliche  Möglichkeiten  gibt, Ausnahmegenehmigungen  zu  erteilen  -  bei  einem  sogenannten  Behandlungsnotstand. Diese Ausnahmegenehmigungen verfünffachten sich in den vergangenen Jahren und stellt eine erhebliche Sicherheitslücke und Hintertür dar.

6. Lt. Einem Artikel auf der Seite „natural news“ hat die US-amerikanische Regierung Neonicotinoid zugelassen, obwohl man wusste, dass es den Bienenvölkern schaden kann (der Artikel ist hier zu finden: http://www.naturalnews.com/031091_USDA_pesticide.html . Haben Sie Kenntnis darüber ob ähnliches auch in Deutschland der Fall war?

In  Deutschland  war  es  ein  ähnlicher  Fall.  Nur  daß  uns  kein  Dokument  vorliegt,  das
beweist, daß es schon bekannt war.

Bereits im Jahre 2006 (!) hat der Präsident des Deutschen Berufsimkerbundes (DBIB) vor
Clothianidin gewarnt. Siehe: http://www.imkerdemo.de/2008/07/offener-brief-von-manfred-
hederer/

Davor war die Gefährdung durch Clothianidin dem Vorläufer des BVL, der BBA seit dem
Jahr 2000 bekannt. Siehe:
http://www.imkerdemo.de/2008/11/die-lange-geschichte-des-abriebs-von-beizstauben/

Ich habe die Datei als Kopie noch vorrätig und kann sie Interessierten zuschicken. Dort  wird  belegt,  daß  der  damalige  Leiter  der  BBA  mit  Mitarbeitern  an  der  Konferenz teilnahmen, auf der die italienischen Wissenschaftlern von den Problemen mit Clothianidin in Beizstäuben berichteten. Es folgten zwei weitere wissenschaftliche Publikationen in den nachfolgenden  Jahren  durch  die  Italiener  -  diese  hätten  bei  der  Zulassung  von Bayer eingereicht werden müssen und/oder vom BVL eingefordert werden müssen. Die Studien waren  jedem, also  selbst Laien,  zugänglich! Außerdem wurde  in 2004 auf der nächsten internationalen  Konferenz  über  Pflanzenschutzmittel,  an  der  wieder  die  Mitarbeiter  der Bieneninstitute und des BVLs teilnahmen, dieses Thema wiederholt vorgetragen.

Ich  halte  es  persönlich  für  unmöglich,  daß  so  etwas  bei  einer  Zulassungsprüfung untergehen  kann.  Und  wenn,  dann  halte  ich  es  für  absolut  notwendig,  die Zulassungsverfahren zu reformieren.

7. Was sind die Forderungen der Imker in Bezug zum Bienensterben? Was muss geschehen, um das Problem anzugehen? Was wird momentan schon getan um die Bienen besser zu schützen?

Leider haben die  Imker  keine einheitliche Stimme,  sondern  verlieren  sich  in Streitereien
und Befindlichkeiten.

Mein  persönlicher  Ansatz  ist  es,  die  Landwirtschaft  so  zu  reformieren,  daß  der Naturhaushalt  als  Lebensgrundlage  erhalten  bleibt,  wozu  die  Bodenbearbeitung  neu erfunden  werden muß,  sowie  die Art  der  Landwirtschaft.  Höchst  erfolgversprechend  ist hier das sogenannte Agroforestry und der Mischkulturanbau. Der praktische Wegbereiter ist Josef Braun. Siehe:
http://www.nachhaltige-landnutzung.de/dateien/hof_braun.pdf
http://www.nachhaltige-landnutzung.de/
http://www.mischanbau.de/

Sowie das Buch: “Creating a Forest Garden: Working with Nature  to Grow Edible Crops”
von Martin Crawford, ISBN: 978-1900322621

Die Lösungen sind durchkonzipiert und praktisch voll erprobt. Es wartet eigentlich nur die Umsetzung, die aber von der Politik mehr gehindert als unterstützt wird. Die dazu notwendigen Schritte wären:

1) Verbot aller systemischen Insektizide.
2)  Reform  der  Zulassungsverfahren  (Verschärfung  und  Ausrichtung  auf  chronische
Wirkungen).
3) Erweiterung des Wissens über die Bodenbiologie und -ökologie. Laut einem Bericht der EU  über  die  Biodiversität  des  Bodens  kennen  wir  heute  nur  1%  der  Bodenlebewesen, ganz zu schweigen von deren Zusammenhängen.
4) Reform der Bodenbearbeitung unter Berücksichtigung aller gewonnenen Erkenntnisse.
5) Reform der Landwirtschaft und Ausrichtung auf regionale Ernährungssicherheit, so wie im Weltagrarbericht berechtigerweise gefordert.
6) Ausrichtung der Industrie und Landwirtschaft an cradle-to-cradle.

Ein  zunehmendes  Problem  ist,  daß  der  Energiehunger  und  das  Ende  fossiler Energieträger die Landwirtschaft in eine Energieproduktion zwängt - aus Sicht des Bodens ist das katastrophal. Denn die Fruchtbarkeit des Bodens, und damit der Gesundheit aller auf und von  ihm  lebenden Wesen, hängt von der Humusakkumulierung ab. Diese  jedoch wird  durch  die  Biogasproduktion  und  Grünmasseverbrennung  massiv  gestört,  da  bei diesen Prozessen die organischen Stoffe mineralisiert werden - und damit nicht mehr zur Verfügung  stehen,  wenn  es  darum  geht,  essentielle  Stoffe  im  Boden  für  den Lebenskreislauf zu synthetisieren. Daher ist eine weitere Forderung, sich eine naturgerechte Energieerzeugung zuzuwenden.
Siehe dazu: http://www.buch-der-synergie.de dort vor allem Teil D.

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Thema: Imkerdemo

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3 Kommentare

  1. Diese gelungene Zusammenfassung der Problematik Bienen-Volk-sterben sollte “Pflichtliteratur” nicht nur für Imker werden.
    Wie ein Imker das Bienenvolksterben auf seinem Stand beobachtete und zu welchen Schlussfolgerungen ihn seine Beobachtungen und Fachliteraturquellen führten, ist hier nachlesbar: http://www.buckfast.de/lvbb/content.php?id=66

  2. Was für ein toller und gut recherchierter Beitrag. Danke. Vieles ist noch nicht offen gelegt. Gerade unterstützt der WSBF ein Forschungsprojekt in Russland, das dort einen plötzlichen Bienenkollaps untersucht. Wir hoffen aus den Ergebnissen auch Rückschlüsse auf das Bienensterben in Europa ziehen zu können. Dafür ist aber ein stärkerer Austausch und unabhängige Forschung nötig. Daran arbeiten wir und freuen uns über Unterstützung.

  3. 3
    J.Heinrich 
    Sonntag, 22. Mai 2011

    Gut recherchiert, aber einseitig nur auf Spritzmittel und seine angeblichen Folgen ausgelegt.
    Den Bienen haben auch dort Probleme, wo nachweislich im großen Umkreis keine Spritzmittel eingesetzt werden.
    In den Bergen. Dort wo nur- wenn überhaupt, Viehwirtschaft betrieben wird.

    Dieses grazile Schöpfungswesen, wie es die Biene nun mal ist, hat mit dem Technosmog, der unsere Landschaften durchpflügt, nie leben gelernt.

    Obwohl die Biene ein Strahlensucher ist und auf natürlichen Kreuzungsfeldern einen mehrfachen Ertrag haben kann, ist Sie gegen die technischen Belastungen nicht gefeit.
    Die technischen Belastungen lassen die Tiere nicht schlafen. Jeder der an Schlafmangel einmal gelitten hat, weiß wie anfällig man wird für diverse Krankheiten und Mängel am Imunsystem.

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