Studie: Langzeitigrisiken unterschätzt

Mittwoch, 28. Juli 2010 | Autor: Bernhard

Die niederländische Studie The significance of the Druckrey–Küpfmüller equation for risk assessment—The toxicity of neonicotinoid insecticides to arthropods is reinforced by exposure time des Toxikologen Henk A. Tennekes steht vor der Veröffentlichung in dem wissenschaftlichen Journal Toxicology. Siehe auch:

Science Direct online

Grob übersetzt bedeutet der Titel der Studie: Die Bedeutung der Druckrey-Küpfmüller-Gleichung für die Risikobewertung - die Toxizität von neonicotinoiden Insektiziden auf Gliederfüßler verstärkt sich mit der Zeit der Exposition.

Grundsätzlich geht es um die Frage, wie die Langzeitwirkung der Neonicotinoide, insbesondere Imidacloprid und Thiacloprid auf Gliederfüßler zu bewerten ist, wozu Insekten und damit auch die Honigbienen gehören. Ein Abstract der Studie findet sich hier:
Niederländische Webseite zum Bienensterben

Einige Ergebnisse aus der Studie werden vorab über die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBGnetwork) bekannt.

So schreibt CBGnetwork:

Dr. Henk Tennekes zu seinen Ergebnissen: “Das Risiko von Pestiziden wie Imidacloprid und Thiacloprid wird wahrscheinlich enorm unterschätzt, besonders für Wasserlebewesen und Bodenorganismen. Die bislang gültigen Grenzwerte wurden weitgehend aus Kurzzeit-Tests abgeleitet. Würde man Langzeit-Versuche durchführen, könnten schon bei wesentlich geringeren Konzentrationen verheerende Schäden auftreten. Damit kann erklärt werden, wieso schon geringe Mengen Imidacloprid längerfristig Bienensterben verursachen können“. Tennekes zeigt sich besorgt über die hohe Belastung von Oberflächengewässern mit schwer abbaubaren Agrochemikalien. So wiesen Messungen der niederländischen Umweltbehörde bis zu 320 Mikrogramm Imidacloprid pro Liter (µg/l) nach. Der EU-Grenzwert für Trinkwasser hingegen liegt bei 0,1 µg/l.

Imidacloprid wird unter den Handelsnamen Gaucho, Provado und Admire angeboten, der Wirkstoff gilt als meistverkauftes Pestizid weltweit. Thiacloprid wird unter den Namen Biscaya, Proteus und Calypso vertrieben. Beide Wirkstoffe gehören zur umstrittenen Wirkstoffklasse der Neonicotinoide, die u.a. zur Behandlung von Saatgut verwendet wird. Hersteller ist die Bayer CropScience AG, die im vergangenen Jahr allein mit Imidacloprid 606 Millionen Euro erlöste. Saatgutbehandlungsmittel von Bayer hatten vor zwei Jahren das großflächige Bienensterben in Süddeutschland verursacht.

Der ganze Artikel findet sich hier: CBGnetwork

Die seit Jahren seitens der Imker geäußerten Befürchtungen und aufgezeigten Mängel bei der Risikobewertung der systemischen Insektizide, werden hiermit erneut durch wissenschaftliche Arbeiten untermauert.

Die Behörden reagierten zwar in der Vergangenheit, doch sehr eingeschränkt und sehr spezifisch. Die in der Studie erwähnten Stoffe Imidacloprid und Thiacloprid sind weiterhin weitläufig im landwirtschaftlichen Einsatz. Neben weiteren Neonicotinoiden und anderen systemischen Insektiziden. Im Gegenteil warten weitere neu entwickelte systemische Insektzide auf ihre Zulassung.

Die Forderung seitens der Imkerei und den Naturschutzverbänden, das Vorsichtsprinzip walten zu lassen, wurde seitens der Behörden und Ministerien nicht aufgenommen. Ein Verbot systemischer Insektizide zum Schutze des Naturhaushalts oder wenigstens ein Aussetzen der Zulassung aller systemischen Insektizide bis zur Klärung der Sachlage wurde nicht umgesetzt.

Dass diese Stoffe und deren Metabolite in hohen Dosierungen im Trinkwasser zu finden sind, wie es die oben genannte Studie erneut belegt, und damit auch den Menschen erreichen, für den - genau wie bei den Gliederfüßlern - die Langzeitrisiken vielleicht falsch bewertet werden - dass ist eine unhaltbare Situation. Vor allem vor dem Hintergrund, wie in der Vergangenheit von den Behörden solche Belastungen gehandhabt wurden. Siehe auch: Imkerdemo: Pflanzenschutzmittel im Trinkwasser

Die Risikobewertung und die Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel sind in jedem Fall den neuartigen Wirkstoffen anzupassen. Bis dahin sollten die Zulassungen für systemische Pflanzenschutzmittel zumindest ruhen.

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Thema: Imkerdemo

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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für die fundierten Informationen. Versuche selbst alles in diesem Zusammenhang ins Netz zu stellen.

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