Offener Brief: Fokus auf Zulassungsverfahren und Ausnahmegenehmigungen

Sonntag, 21. Dezember 2008 | Autor: Bernhard

Betreff: Offener Brief an die Imker, Imkerverbände und Zulassungsbehörden.

Sehr geehrte Damen und Herren.

Ich bedanke mich für Ihre Arbeit der vergangenen Monate bezüglich Neonicotinoide. Die Beschäftigung mit diesem Thema war sehr wichtig für den Erhalt des Naturhaushalts. Gleichzeitig darf ich auf zwei weitere Dinge in diesem Zusammenhang hinweisen.

In den nächsten Jahren werden neben Neonicotinoiden auch weitere neuartige Produkte und Wirkstoffe zur Zulassung vorgestellt. Dazu gehören auch Wirkstoffe, die wie Neonicotinoide systemisch wirken und daher in der gesamten Pflanze, einschließlich Nektar und Pollen zu finden sind.

Meine Meinung ist nach wie vor, dass nicht der Wirkstoff Clothianidin oder die Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide das Problem sind. Sondern die bisher unzureichenden Zulassungsverfahren. Unzureichend bezieht sich hierbei auf neuartige Wirkstoffe, die nicht von den aktuellen Verfahren ausreichend geprüft werden. Unzureichend bezieht sich auch auf die Überprüfung der Zulassungsbedingungen in der Praxis nach der Zulassung.

Es wird immer neue Produkte geben - diese müssen vor und nach der Zulassung noch intensiver geprüft werden.

Mir ist bekannt, dass in diesem Punkt bereits Verbesserungen auf dem Weg sind. Dafür bedanke ich mich recht herzlich und wünsche mir, dass dies auch weiter so verfolgt wird, um Naturhaushalt, Honigbienen und den Verbraucher ausreichend vor letalen und subletalen/chronischen Schäden zu schützen. Dem Bundesamt für Verbraucherschutz sind mehr Personal und Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Sicherheit der Verfahren zu gewährleisten.

Das Zulassungsverfahren an sich sollte daher meiner Meinung nach weiter im Fokus der weiteren Bemühungen bleiben.

Mein zweites Anliegen betrifft Ausnahmegenehmigungen. Aus anderen Ländern, wie zum Beispiel aus einigen Bundesstaaten der USA, ist bekannt, dass dort Produkte / Wirkstoffe in erster Instanz nicht zugelassen werden. In zweiter Instanz werden jedoch temporäre Ausnahmegenehmigungen gewährt, aufgrund eines konkreten Behandlungsnotstands. Diese Ausnahmegenehmigungen werden dann kontinuierlich verlängert, so dass sie eine abgewandelte Form einer Zulassung darstellen.

Mir ist nicht bekannt, ob es in Deutschland eine ähnliche Form von Ausnahmegenehmigungen gibt. Wenn es eine derartige Möglichkeit gibt, sollte verhindert werden, dass solche Ausnahmegenehmigungen aufgrund eines “Behandlungsnotstands” dauerhaft missbraucht werden. Ein Behandlungsnotstand darf und sollte nicht dauerhaft existieren.

Ich darf von einer Vielzahl von Imkern sprechen, denen diese zwei Punkte (1. Zulassungsverfahren und 2. Ausnahmegenehmigungen) wichtig sind. Wir sind gern bereit zu helfen, wo wir können. Wir wären erfreut, wenn wir von den Fortschritten in diesen zwei Punkten erfahren würden und wenn ein offener Dialog zwischen allen Beteiligten stattfände.

Ich wünsche allen frohe Feiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Freundliche Grüße

Bernhard Heuvel

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Thema: Imkerdemo

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