Bericht über Monitoringprojekte

Dienstag, 2. Dezember 2008 | Autor: Bernhard

Auswertung der wichtigsten in Deutschland durchgeführten Monitoringstudien
zu Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Nichtzielorganismen

von Dr. Udo Hommen des Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME)

hier einzusehen: http://www.bvl.bund.de (PDF)

Dieser Bericht enthält eine Zusammenfassung über Monitoringprojekte in Deutschland. In diesem Bericht sind nicht alle Monitoringprojekte verzeichnet, da diese zumeist nicht öffentlich einzusehen sind.

Der Bericht enthält jedoch einen guten Überblick, wie solche Monitoringprojekte arbeiten, wo die Schwachstellen sind und wie die Ergebnissse im Allgemeinen ausfallen. Auch der Abschnitt, wo der Bericht diskutiert wird. ist äußerst aufschlußreich. Dieser Bericht ist definitiv eine Hilfe, um Monitoringstudien auf Methoden und Aussagekraft zu prüfen. Die Gefährdung der Gewässer inklusive des Trinkwassers durch Pflanzenschutzmitteleintrag wird hier sehr deutlich.

Ich habe hier einige Ausschnitte getätigt, selbstverständlich mit dem Fokus auf Insektizide in den vorgestellten Studien. Die genannten Konzentrationen beziehen sich zumeist auf Messwerte aus Fließgewässern.

Im kleinen Fließgewässer Riedgraben wurden maximal 0,09 μg a.i./L Imidacloprid gemessen…(Schlichtig et al. 2001) im Bericht auf Seite Seite 20.

Zitat:

Durch ökotoxikologisches Monitoring (Bioassays mit gekäfigten Trichopteren und Gammariden) konnte aber der massive Einfluss der Insektizidbelastung auf die Zusammensetzung der Makroinvertebratenfauna belegt werden. Das in Hopfenkulturen häufig eingesetzte, hochwirksame Insektizid Imidacloprid erreichte Konzentrationen von 0.9 μg/l im Siegbach, was unterhalb der kurzfristigen UK (unbenkliche Konzentration) nach BVL-Liste liegt. Bemerkenswert war die hohe Imidacloprid-Belastung der Schwebstoffe (bis zu 344 μg/kg TS).

auf Seite 21 des Berichts
[Hervorhebung von mir]

Konzentration von 1,4 μg/l Imidacloprid bei Neuenkirchen
Konzentration von 4,5 μg/l Thiacloprid bei Neuenkirchen
Im NLÖ-Bericht der Ergebnisse 2003 wird auch auf eine Überschreitung der BVL UK für das Insektizid Thiacloprid hingewiesen.

Seite 28 des Berichts

In einem anderen Projekt (P 3) der Arbeitsgruppe Liess wurden 13 Gewässer mit unterschiedlich hoher PSM-Belastung verglichen. In 85% der Proben wurden PSM nachgewiesen, in 23% der Proben fanden sich Insektizide. Bis zu 9 Einzelsubstanzen wurden in einer Wasserprobe gefunden, aber die Konzentrationen lagen immer unterhalb der akuten Letalitätsschwelle für Makroinvertebraten (allerdings z. T. oberhalb der kurzfristig unbedenklichen Konzentrationen nach BVL-Liste (Tab. 5, BVL-Liste s. Abschnitt 9.4, S. 79).

Der Einfluss von subletalen Konzentrationen auf die Makroinvertebraten wurde daher im Bericht als sehr wahrscheinlich angenommen.

Seite 32 des Berichts
[Hervorhebung von mir]

Insgesamt ist die Anzahl und Verschiedenartigkeit der gefundenen Pflanzenschutzmittel erstaunlich und beunruhigend zugleich. Der Bericht zeigt meiner Meinung nach deutlich, dass Monitoringprojekte einige Schwächen haben.

- hohe Variabilität der Parameter (Temperatur, etc.) in der Praxis erschweren Aussagen zur Ökotoxizität
- durch die hohe Variabilität kann ein Monitoringprojekt nicht wie ein Laborversuch wiederholt und damit bestätigt werden
- es werden einzelne Wirkstoffe auf ihre Wirkung hin untersucht, obwohl es in der Praxis zu Häufungen von verschiedenen Wirkstoffen kommt
- es gibt quasi keine Kontrollmöglichkeiten (da Variabilität der Umwelt; Vergleichbarkeit hinkt immer)
- Stressoren werden ausser Acht gelassen
- die Nahme von Proben muss mit den Belastungsspitzen zeitlich abgestimmt erfolgen
- die Belastungsspitzen sind auch räumlich verteilt. Misst man an einem Ende des Ackers, wobei die Belastungsspitze auf der anderen Seite liegt, wird die Belastungsspitze nicht erfasst
Ich zitiere: Am problematischsten ist dabei sicherlich die Erfassung der tatsächlichen Maximalkonzentrationen und der Dauer der Exposition.
- meiner Ansicht nach bestehen kaum Kriterien für chronische und subletale Effekte
- an Belastung angepassten Biozönosen

Ich zitiere interessante Stellen:

… die Wirkung einzelner Wirkstoffe wird untersucht …in der Praxis wirken jedoch auf Populationen und Lebensgemeinschaften zuweilen verschiedene PSM, aber auch andere landwirtschaftliche Aktivitäten (z.B. Düngung, Mahd) sowie verschiedene Standortfaktoren (z.B. Habitatstruktur, Strömung, Art des Umlandes) ein. Diese Vielfalt der Einflussfaktoren erschwert die Identifizierung möglicher PSM-Effekte und damit
z. B. eine Kontrolle darüber, inwieweit die aus den Zulassungsuntersuchungen abgeleiteten Anwendungsbestimmungen ausreichend, angemessen oder überzogen sind.

PSM-Anwendungen und Run-off-Ereignisse können zu hohen, aber oft nur kurzfristigen Belastungen führen. In den im Routinemonitoring erfassten Gewässern ist dagegen mit langfristigeren aber (durch Verdünnung) weit geringeren Wirkstoffkonzentrationen zu rechnen. Die Qualitätsziele sollen die Gewässer vor jeglichen Schäden durch eine längerfristige Belastung zu schützen. Für eine Beurteilung der Gefährdung von Organismen auf Nichtzielflächen durch die Anwendung von PSM in der Landwirtschaft eignen sich solche Untersuchungen und die dabei verwendeten Qualitätsziele aber nur bedingt: Die gefundenen Wirkstoffe stammen auch aus Einträge von Kläranlagen und Kanalisation und nicht nur aus der landwirtschaftliche Anwendung direkt. Bach & Frede (2003) konnten abschätzen, dass in Deutschland ca. 0.06% der PSM-Applikationsmenge durch Run-off, Drainage oder Drift in Gewässer gelangt. Der weitaus höhere Anteil der PSM-Frachten in (größeren) Flüssen stammt dagegen aus Punktquellen (Hofabläufe, Regenentlastungen und Einleitungen aus Produktions- und Formulierungsanlagen). Bach und Frede (2003) schätzen für Rhein, Main, Nidda und Ruhr den Anteil der Punktquellen an der Gesamtfracht auf 72 bis 93%. Ein anderer Nachteil des Routinemonitorings ist darin zu sehen, dass durch das feste, relativ grobe Probenraster Eintragsspitzen nicht erfasst werden und daher auch nur relativ stabile, gut wasserlösliche Wirkstoffe nachgewiesen werden.
Neben der Überwachung der Qualität der beprobten Gewässer selbst liegt der Nutzen solchen Routinemonitorings in Bezug auf mögliche Effekte von PSM daher eher in der Identifizierung problematischer Stoffe: Wirkstoffe, die in solch einem Monitoring noch nachgewiesen werden können, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in kleineren Gewässern an landwirtschaftlichen Flächen kritisch zu bewerten. Des Weiteren kann möglicherweise grobes Fehlverhalten (Verwendung nicht zugelassener Wirkstoffe) abgeleitet, wenn auch nicht einem Verursacher zugeordnet werden. Für eine direkte Beurteilung von PSM-Effekten auf Nicht-Zielflächen sind solche Monitoringprogramme aus den genannten Gründen aber in der Regel nicht geeignet.

Die Ergebnisse zeigten, dass der Haupteintrag (62 %) in den Bodensee aus den drei beprobten Kläranlagen (von 10 insgesamt), und somit nicht aus der PSM-Anwendung auf Feldern sondern wahrscheinlich aus Hofeinträgen stammt. Die Diuronkonzentrationen in der Aach überschritten dabei die LAWA-Zielvorgaben. Im Riedgraben, dem Zufluss mit landwirtschaftlich geprägtem Einzugsgebiet, wurden Überschreitungen für Diuron, Pirimicarb und Isoproturon festgestellt. Um die Gefährdung von Nichtzielorganismen besser abschätzen zu können, wurden die Maximalkonzentrationen im Riedgraben mit kurzfristig als unbedenklich eingestuften Konzentrationen (UK) nach einer Liste des BVL (Streloke, pers. Mitt., s. Anhang 9.4 ab S. 79, im Folgenden BVL-Liste genannt) verglichen. Demnach können für vier Wirkstoffe kurzfristige Effekte auf Nichtzielorganismen nicht ausgeschlossen werden (Tab. 1). Die Analysen wurden in den folgenden Jahren (2001, 2002) fortgeführt, dabei wurde trotz intensiver Information der Landwirte nur eine geringe Abnahme der Einträge festgestellt.

Für die Ableitung von Gefährdungspotentialen für Organismen stehen zur Zeit zwei Ansätze zur Verfügung, ein Vergleich der Befunde für Einzelstoffe mit aus dem Zulassungsverfahren abgeleiteten Schwellenkonzentrationen und eine Abschätzung der Gesamtbelastung nach dem „Toxic Unit“-Konzept, in dem die gemessenen Konzentrationen für die einzelnen Wirkstoffe auf einen bestimmten Toxizitätswert (z. B. die NOEC für D. magna) bezogen werden und die Quotienten aufsummiert werden. Für beide Ansätze ist es wünschenswert, dass die dazu notwendigen Daten in regelmäßig aktualisierten Listen öffentlich zugänglich sind. Optimal wäre die Veröffentlichung der wichtigsten ökotoxikologischen Kenndaten, die bei der (nationalen) Zulassung verwendet wurden. Dies würde vermeiden, dass in jeder Monitordingstudie die benötigten Daten recherchiert werden müssten. Durch die einfache Verfügbarkeit würden vielleicht die Daten aus chemischem Monitoring auch häufiger an Hand ihres Gefährdungspotentials und nicht nur nach den Wirkstoffkonzentrationen beurteilt werden. Einheitliche Listen würden zudem die Vergleichbarkeit der Bewertung der Monitoringergebnisse erhöhen.

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http://www.bvl.bund.de (PDF)

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Thema: Imkerdemo

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