Zwei Millionen Euro für geschädigte Imker

Dienstag, 5. August 2008 | Autor: Arnd

Schlussstrich unter das Bienensterben durch den Wirkstoff Clothianidin

Das Land Baden-Württemberg hat die Imker am Oberrhein über Entschädigungszahlungen informiert. Nachdem Bienenvölker am Wirkstoff Clothianidin eingegangen sind, bezahlt das Unternehmen Bayer Crop Science mehr als zwei Millionen Euro.

Es ist seit gestern ein Schlussstrich gezogen unter ein Thema, das die Wogen hochkochen ließ. Weil unsachgemäß mit dem Nervengift Clothianidin gebeiztes Maissaatgut im Kampf gegen den Schädling Maiswurzelbohrer eingesetzt worden war, starben am Oberrhein seit Frühjahr massenhaft Bienenvölker. Das Land spricht von 11 000, Peter Schulze, Kreisvorsitzender der Ortenauer Imkervereine von 6300 alleine im Landkreis.

Gestern teilte das Stuttgarter Agrarministerium auf Anfrage der Mittelbadischen Presse mit, dass die geschädigten Imker am Samstag oder gestern Post vom Regierungspräsidium Freiburg erhalten hätten. »Je nach Schädigungsgrad erhält ein Imker 80 bis 350 Euro pro Volk«, erklärte Pressesprecherin Isabell Kling. Hinzu kommen für Ernteausfälle 6,50 Euro pro Kilo Honig sowie 2,50 Euro zur Entsorgung im Acherner Maiwald gebrachter Pollenwabe. Das ergebe die etwas mehr als zwei Millionen Euro.

»Schnell und großzügig«
Peter Schulze zeigte sich erleichtert: »Ich bin sehr zufrieden, dass die Abwicklung so schnell und großzügig gegangen ist.« Dennoch sei es wichtig, dass Untersuchungen weitergeführt werden, um derart gravierende Ausfälle und Schäden in der Bienenzucht in Zukunft zu vermeiden.
Für das kommende Bienenjahr sieht Peter Schulze dennoch nicht schwarz

Er glaubt, dass sich auch geschädigte Völker nach und nach erholen, wenn sie ab August entweder mit Zuckerwasser oder für die Insekten leichter verdaulichem Fertigfutter aufgepäppelt werden. Wichtig sei auch, dass jetzt Schritte gegen die Varroa-Milbe unternommen werden.
Peter Schulze hat aber noch ein weiteres Anliegen: »Das Vertrauensverhältnis zwischen Imkern, Land- und Forstwirtschaft sowie Obstbau darf nicht verlorengehen.« Die meisten dort verwendeten Pflanzenschutzmittel seien bienenfreundlich und die wirtschaftlichen Aspekte für die Landwirtschaft dürften nicht vergessen werden. Und so hofft Schulze auf ein gutes Honigjahr 2009.

Schlecht gebeiztes Saatgut
Als Ursache für das diesjährige Bienensterben am Oberrhein gilt der Wirkstoff Clothianidin. Er wurde unter anderem auf Maissaatgut »aufgeklebt«, damit das Gift den Schädling Maiswurzelbohrer ausrottet, dessen Larven Ernteausfälle von bis zu 80 Prozent verursachen können.
Dieser Wirkstoff war in Teilen der Produktion offenbar nicht richtig »verleimt«, so dass er sich beim maschinellen Ausbringen der gebeizten Saat löste und über die Luft auf Pflanzen verfrachtet hat. Für Mais ruht die Zulassung von Clothianidin noch, für Raps hingegen nicht mehr.

© 5.08.2008 - Mittelbadische Presse (Ortenau)

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Thema: Bienensterben

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