NABU - Biologische Vielfalt entschädigen!

Dienstag, 3. Juni 2008 | Autor: dominik

NABU zum Bienensterben: Biologische Vielfalt entschädigen!
Entschädigungsfonds muss Schäden nach dem Umweltschadensgesetz ausgleichen / Rückgrat der Natur durch Giftbeize bedroht

Stuttgart – Der Naturschutzbund NABU fordert das Land auf, dafür zu sorgen, dass die Schäden an der biologischen Vielfalt ausgeglichen werden, die im Zuge des „Bienensterbens“ am Oberrhein entstanden sind. „Wir müssen davon ausgehen, dass massenhaft Wildbienen, Schmetterlinge und eventuell auch Vögel durch die Giftbeize ‚Poncho Pro’ getötet und Naturschutzgebiete sowie streng geschützte Arten massiv geschädigt wurden. Das wäre illegal und schadensersatzpflichtig“, erklärt NABU-Landeschef Dr. Andre Baumann. „Das Bienensterben ist eine Katastrophe für die betroffenen Imker – und ein Desaster für die gesamte Natur am Oberrhein. Insekten sind das Rückgrat der biologischen Vielfalt. Wenn dieses Rückgrat bricht, werden Pflanzen nicht mehr bestäubt und zahlreiche Vögel sowie andere Tiere finden keine Nahrung mehr.“ Hier müsse das Umweltschadensgesetz greifen, das regelt, wie Schäden an der biologischen Vielfalt zu entschädigen sind. Dass das Nervengift Clothianidin in der Landwirtschaft nicht mehr verwendet werden darf, steht für die Naturschützer außer Frage. „Es muss die Frage erlaubt sein, weshalb Clothianidin bei uns erlaubt ist, während es in Frankreich verboten ist“, meint Baumann.

Der NABU sieht das Land zunächst in der Pflicht, die Vorgänge um die Bienenvergiftung lückenlos aufzudecken und die Schuldfrage zu klären. „Zum einen brauchen wir Klarheit darüber, wie tödlich das als Maisbeize verwendete Nervengift Clothianidin für die unterschiedlichen Insektenarten wirklich ist. Zum anderen müssen die betroffenen Gebiete intensiv auf Schäden an der biologischen Vielfalt untersucht werden. Einbrüche in den Beständen von Wildbienen und Co. lassen sich durch solch ein Monitoring dokumentieren“, sagt Baumann. 

Schadensersatz für die Imkerei ist notwendig und wird vom NABU ausdrücklich unterstützt. Die größten Verluste sind jedoch durch den Ausfall der Bestäubungsleistung zu erwarten. Der NABU rechnet vor, dass neben der Honigbiene im Land 460 Arten von Wildbienen leben, davon mindestens 80 Prozent in der Rheinebene. Diese Tiere erbringen als Pflanzenbestäuber unschätzbare Leistungen für den Naturhaushalt sowie für landwirtschaftliche Kulturen. Der NABU fordert einen Entschädigungsfonds, der die Verluste an der biologischen Vielfalt zumindest abfedert. So müssten blütenreiche Lebensräume für die Insekten angelegt und die Überwachung der Bestände gefördert werden. Angesichts der Artenvielfalt unter den Wildbienen und deren immensen Bestäubungsleistung hält der NABU mindestens das Zehnfache der Entschädigung für die Imkerschaft für angemessen. Dieses Geld müsse zweckgebunden in Lebensraumgestaltung und Monitoring investiert werden, so der NABU. 

Honigbienen dienen Ökologen als fliegende Umweltmessstationen. Wirkt ein Gift auf Honigbienen, ist davon auszugehen, dass auch andere blütenbesuchende Insekten daran sterben. Der direkte Nachweis über tote Wildbienen ist indes schwer zu führen. Da sie nicht in Völkern leben, sterben Wildbienen und andere Insekten heimlich, still und leise. Der NABU hat das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz Singen beauftragt, in den geschädigten Gebieten die Folgen der Vergiftung für die heimischen Wildtiere zu untersuchen. Zudem dokumentieren ehrenamtliche NABU-Aktive Auswirkungen der Maisbeizung.

Quelle:
http://baden-wuerttemberg.nabu.de/modules/presseservice_baden_wuerttemberg/index.php?show=346&db=

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Thema: Bienensterben

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