NABU - Bienensterben auch in Schutzgebieten

Dienstag, 17. Juni 2008 | Autor: dominik

Bienensterben: Diese NATURA 2000-Gebiete sind betroffen
NABU fordert Soforthilfe des Landes für geschädigte Natur

Stuttgart – Bis zu 27.000 Hektar NATURA 2000-Schutzgebiete könnten durch die giftige Maisbeize „Poncho Pro“ geschädigt worden sein. Die potentiell betroffenen Gebiete hat der Naturschutzbund NABU jetzt in einer Übersichtskarte veröffentlicht. Weiteren Forschungsbedarf sieht der NABU vor allem in der Frage, ob und wie sich das Gift in der Nahrungskette anreichert und welche indirekten Schäden somit auftreten. „Die Karte ermöglicht einen ersten Überblick über die betroffenen Schutzgebiete und die darin möglicherweise geschädigten Tierarten. Sie zeigt: Das katastrophale Sterben der Honigbiene war leider nur die Spitze des Eisbergs“, erklärt der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann.  

Der NABU geht davon aus, dass neben der Honigbiene auch zahlreiche geschützte Tiere wie Schmetterlinge, Wildbienen, Laufkäfer und eventuell auch Vögel und Fledermäuse durch das Gift umgekommen sind. Zudem ist der enthaltene Wirkstoff Clothianidin laut offiziellem Sicherheitsdatenblatt sehr giftig für Wasserorganismen. „Wir sehen das Land in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass diese Schäden an der Biologischen Vielfalt ausgeglichen werden“, sagt Baumann. Ausgleichen ließen sie sich, indem Lebensräume für die geschädigten blütenbesuchenden Tiere geschaffen und aufgewertet werden. So könnten etwa in der betroffenen Region vermehrt blütenreiche Lebensräume wie Wiesen und Randstreifen angelegt werden. „In den betroffenen FFH-Gebieten sind gezielte Pflegemaßnahmen nötig, um den geschädigten Beständen der geschützten Wildbienen- und Schmetterlingsarten zu helfen“, sagt Baumann. „Die Imker werden neue Bienenvölker kaufen. Die Natur kann das nicht.“ 

Selbstverständlich dürfen Clothianidin und ähnlich hochtoxische Pestizide aus Sicht des NABU nicht mehr in der Landwirtschaft eingesetzt werden. „Der anhaltende Bio-Trend in Baden-Württemberg beweist: Die Verbraucher wollen gesunde Nahrungsmittel“, so Baumann. „Die chemische Keule hat in der Landwirtschaft nichts mehr zu suchen.“

Um die Karte zu erstellen erfassten Wissenschaftler des Instituts für Landschaftsökologie und Naturschutz Singen im Auftrag des NABU diejenigen Regionen, in denen Honigbienen in Massen verendeten. Diese glichen sie mit NATURA 2000-Gebieten ab, in denen durch die Maisbeize potentiell gefährdete Arten vorkommen, etwa blütenbesuchende Insekten sowie Vogelarten, die sich von Sämereien oder Insekten ernähren. Von Wald- und Auengebieten nahmen die Wissenschaftler lediglich die an Offenland grenzenden Randzonen auf, da nur in diesen mit Schäden zu rechnen ist.

Die Karte samt Erläuterungen kann unter www.NABU-BW.de herunter geladen und frei abgedruckt werden.

Rückfragen an 
- Dr. Andre Baumann, mobil: 01520 - 984 70 11
- Martin Klatt, NABU-Artenschutzreferent, Telefon: 0711 – 966 72-18

 

Quelle:
http://baden-wuerttemberg.nabu.de/modules/presseservice_baden_wuerttemberg/index.php?show=352&db=

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Thema: Bienensterben

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